+++Börsen-Ticker+++US-Anleger halten sich vor dem «Super-Donnerstag» zurück

Vor einer mit Spannung erwarteten Aussage des früheren FBI-Chefs haben sich Anleger an der Wall Street am Dienstag zurückgehalten. Die wichtigsten Indizes beendeten den Tag mit Verlusten.
06.06.2017 22:30
Nach Offensive von Konkurrentin Amazon am Dienstag stark unter Druck: Wal-Mart-Aktie.
Nach Offensive von Konkurrentin Amazon am Dienstag stark unter Druck: Wal-Mart-Aktie.
Bild: Bloomberg

22:30

James Comey hatte die Ermittlungen in der Russland-Affäre geleitet und wurde im Mai von Präsident Donald Trump gefeuert. Anleger befürchten offensichtlich, dass seine Aussage vor einem Senatsausschuss am Donnerstag Trumps Rückhalt im Kongress schwinden lassen könnte. Damit stünden die Pläne des Republikaners für eine Gesundheits- und Steuerreform infrage.

Ebenfalls am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament und die Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen zusammen, um über die weitere Geldpolitik zu entscheiden. Wegen der drei Grossereignisse sprach ein Analyst der BayernLB von einem "Super-Donnerstag".

Der Dow Jones fiel um 0,2 Prozent auf 21'136 Punkte und der S&P 500 um 0,3 Prozent auf 2429 Zähler. Der Nasdaq-Index gab um 0,3 Prozent auf 6275 Stellen nach.

Im Mittelpunkt standen die Aktien des weltgrössten Detailhändlers Wal-Mart Stores, der sich einer Offensive von Amazon.com ausgesetzt sieht. Der Onlinekonzern kündigte an, seine Prime-Mitgliedschaft für arme Amerikaner günstiger anzubieten. Damit zielt er direkt auf eine wichtige Kundengruppe von Wal-Mart. Die Aktien des Supermarktbetreibers fielen um 1,7 Prozent. Papiere von Amazon gaben um 0,8 Prozent nach.

Aktien von Michaels gaben um 8,4 Prozent nach. Der Anbieter von Wohnaccessoires hatte seine Prognose zusammengestrichen. Auch andere Detailhandelsunternehmen mussten Kursverluste verbuchen. Auslöser war der Tweet eines CNBC-Reporters, demzufolge der Macy's-Finanzchef vor einem Rückgang der Gewinnmarge warnte. Macy's fielen um mehr als 8 Prozent. Für den Konkurrenten Nordstrom ging es um 3,6 Prozent bergab.

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17:45

Die Anleger strichen am ersten Handelstag nach Pfingsten auf breiter Front ihre Gewinne ein. Merklich belastet wurde der Markt von der Roche-Kursschwäche: Die Titel des Index-Schwergewichts brachen nach enttäuschenden Studienresultaten für ein wichtiges Medikament ein. Der SMI verliert 1,5 Prozent auf 8908 Zähler.

Die Roche-Genussscheine stürzen 5,5 Prozent ab und zeichnen für den grössten Teil des SMI-Rückgangs verantwortlich. Die von dem Arzneimittelhersteller am Krebsmedizinerkongress ASCO veröffentlichte klinischen Testergebnisse zum Medikament Perjeta werfen Fragen zum Umsatzpotenzial des Brustkrebsmittels auf. Die Daten zeigen, dass weniger Patientinnen als erwartet von dem Präparat profitierten.

Die Aktien von Roche-Rivalin Novartis schwächen sich um 0,8 Prozent ab. Etwas Unterstützung kommt vom dritten SMI-Schwergewicht: Die Anteile von Nestlé steigen um 0,5 Prozent. Sie erreichten zwischenzeitlich bei 83,65 Franken einen Höchstwert.

Bei den Aktien der Banken geben Credit Suisse 1,3 Prozent nach. Händler weisen darauf hin, dass Katar der grösste Aktionär der CS ist und über Aktien und Zwangswandelanleihen knapp einen Fünftel der zweitgrössten Schweizer Bank besitzt. Julius Bär büssen 1,0 Prozent an Wert ein. UBS schlagen sich mit einem Minus von 0,6 Prozent leicht besser. Auch die Versicherungswerte verlieren mehrheitlich.

Ebenso neigen zyklische Werte zur Schwäche. Der Elektrotechnikkonzern ABB verliert 1,1 Prozent an Wert und der Zementproduzent Lafarge-Holcim 1,9 Prozent. Die Anteile des Personalvermittlers Adecco sinken um 1,7 Prozent, die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch büssen 3,3 und 3,7 Prozent ein.

Am breiten Markt brechen die Aktien von Burckhardt 10,5 Prozent ein. Der Gewinn des Kompressorenherstellers sank im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast ein Drittel auf 37,9 Millionen Franken verzeichnet und das Unternehmen kürzt die Dividende. Zudem warnte die Burckhardt vor tiefere Gewinnmargen. (Lesen Sie den ausführlichen Börsenkommentar zum Dienstag.)

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15:45

Zwei Tage vor der Anhörung des geschassten FBI-Chefs James Comey steigt die Nervosität an der Wall Street. Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verloren zur Eröffnung am Dienstag bis zu 0,3 Prozent. US-Senatoren wollen von Comey unter anderem wissen, ob Präsident Donald Trump ihn gedrängt hat, die Ermittlungen wegen angeblicher Russland-Kontakte von Trumps Wahlkampfteam fallenzulassen. Sollte sich dieser Vorwurf erhärten, halten selbst republikanische Abgeordnete ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump für denkbar.

Da zudem der Ausgang der Parlamentswahl in Grossbritannien offener ist denn je, griffen Investoren verstärkt zu Gold. Die "Antikrisen-Währung" stieg um bis zu 1,2 Prozent und war mit 1294,24 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie zuletzt vor knapp zwei Monaten. Dies verhalf den in den USA notierten Titeln kanadischer Goldminen-Betreiber wie Barrick, GoldCorp und Yamana zu Kursgewinnen von bis zu 4,9 Prozent.

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12:50

Für Abgabedruck sorgen insbesondere die schwerkapitalisierten Roche, nachdem der Pharmakonzern an dem Onkologiekongress Asco am Wochenende mit den Daten aus der vielbeachteten Aphinity-Studie nicht überzeugte. Aber auch an anderen wichtigen Handelsplätzen Europas stehen die Kurse unter Druck, wenn auch nicht so deutlich wie hierzulande.

Der SMI verliert gegen Mittag 0,8% auf 8975 Punkte. Der 30 Aktien umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,6% auf 1415 Zähler nach und der breite SPI 0,7% auf 10'222. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 25 im Minus und nur 5 im Plus.

Aus dem Rahmen fallen Roche mit einem Kursverlust von 4,3%. Der Pharmakonzern sorgt für lange Gesichter unter den Investoren, denn die hohen Erwartungen an die Aphinity-Daten wurden verfehlt. Viele Experten hatten sich eine bessere Wirksamkeit des Brustkrebsmedikaments Perjeta in Kombination mit dem ebenfalls von Roche vermarkteten Präparat Herceptin erhofft. 

Die Titel der Mitbewerberin Novartis (+0,1%) zählen hingegen zu den wenigen Gewinnern unter den Bluechips. Nach den Präsentationen an dem am Wochenende stattgefundenen Asco-Kongress stehen bei den Baslern unter anderem die positiven Daten zum Brustkrebsmedikament Kisqali im Blick der Investoren. Dieses verspricht laut ZKB ein Wachstumstreiber zu sein. 

Neben diesen beiden Spezialsituationen blieb es an der Nachrichtenfront ruhig. Etwas ausgeprägtere Verluste verzeichnen die zumeist recht volatilen Aktien des Nahrungsmittelherstellers Aryzta (-2,0%). Auch Vifor Pharma (-1,8%), die zyklischen Richemont (-1,7%) und Swatch (-1,6%) sowie die Chemiewerte Lonza (-1,6%) werden im grösseren Stil verkauft. Bei den Finanzwerten schneiden Bâloise (-0,8%) am schlechtesten ab, gefolgt von CS (-0,7%).

Am breiten Markt fallen Burckhardt Compression um über 10% zurück. Der Winterthurer Industriekonzern hat im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016/17 einen Bestellungs- und Gewinneinbruch erlitten und zeigt sich im Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung zurückhaltend. Grössere Verluste verzeichnen daneben die Industriewerte Mikron (-3,7%), Zehnder (-3,1%) und Burkhalter (-2,6%). (Lesen Sie den ausführlichen Börsenbericht am Mittag.)

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12:05

Der Aktienkurs des Kompressorenherstellers Burckhardt saust in einem schwachen Markt um mehr als 10 Prozent auf 275,50 Franken in die Tiefe.

Burckhardt hat im Geschäftsjahr 2016 einen Gewinnrückgang um 31,6 Prozent auf 37,9 Millionen Franken verzeichnet. Für 2017 erwartet der Kolbenkompressoren-Hersteller einen Umsatz auf Vorjahresniveau und eine Betriebsgewinnmarge zwischen 6 und 9 Prozent. Bisher strebte Burckhardt 12 Prozent an. Zudem soll die Dividende auf 7 von 10 Franken gestutzt werden.

Umsatz und Gewinne lägen deutlich unter den Erwartungen, schreibt ZKB-Analyst Armin Rechberger. Die ZKB ging von einer Dividende von 9,20 Franken aus. Damit müssten die Investoren mindestens ein weiteres Jahr auf eine Zunahme von Momentum und Margen warten, erklärt Torsten Sauter von Kepler Cheuvreux.

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10:25

Massive Kursverluste beim Marktschwergewicht Roche belasten die Schweizer Börse am Dienstagmorgen. Für Unruhe sorgten zudem die politischen Spannungen im Nahen Osten, die nahende Wahl in Grossbritannien und die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, heisst es weiter. Der SMI sackt um 0,8 Prozent auf 8971 Zähler ab. Am Freitag war der Leitindex um 0,2 Prozent gestiegen.

Über das Wochenende haben mehrere mächtige Nahost-Länder den Golfstaat Katar wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung unter Druck gesetzt. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain brachen ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar ab. Der Ölpreis gibt nach und notiert unter der kritischen Marke von 50 Dollar je Fass.

Die Roche-Genussscheine sausen um 4,3 Prozent auf 253,60 Franken ab. Gut 60 der insgesamt 73 Zähler, um die der SMI nachgibt, sind dem Pharmatitel geschuldet. Nach enttäuschenden Daten auf dem Fachkongress ASCO zum Krebsmedikament Perjeta werfen die Anleger die Papiere auf den Markt. (Lesen Sie mehr zum Thema.)

Dei Anteile von Roche-Rivalin Novartis sind gehalten. Mit den um 0,4 Prozent höheren Nestlé-Aktien legt dagegen Schwergewicht zu.

Die Anteile der Banken liegen dagegen im Angebot: Credit Suisse fallen um 0,6 Prozent und UBS schwächen sich um 0,4 Prozent ab. Die Aktien der meisten Versicherer verbuchen leicht tiefere Kurse.

Am breiten Markt brechen die Aktien von Burckhardt um 11 Prozent ein. Der Kompressorenhersteller hat im Geschäftsjahr 2016 einen Gewinnrückgang um 31,6 Prozent auf 37,9 Millionen Franken verzeichnet und kürzt die Dividende.

Die Aktien von Meyer Burger klettern um 3,4 Prozent auf 1,22 Franken. Vontobel hat das Kursziel auf 1,19 von 0,89 Franken erhöht.

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09:10

Der Swiss Market Index notiert zu Handelsbeginn am Dienstag 0,9 Prozent tiefer. Hauptverantwortlich für das Minus ist vor allem der Genussschein von Roche, er sackt 4,6 Prozent ab. Der Pharmakonzern hat an dem Onkologiekongress Asco vom Pfingstwochenende mit den Daten aus der vielbeachteten Aphinity-Studie nicht überzeugt. Viele Experten hatten sich eine bessere Wirksamkeit des Brustkrebsmedikaments Perjeta in Kombination mit dem ebenfalls von Roche vermarkteten Präparat Herceptin erhofft (zum Artikel).

Gegen den schwachen Trend notieren unter den Blue Chips bzw. im 30 Titel umfassenden SLI-Tableau Geberit (plus 0,13 Prozent), Logitech (+0,7 Prozent) und Partners Group (+0,2 Prozent). Der Vermögensverwalter Partners Group meldete über 1 Mrd EUR an Kapitalzusagen für Unternehmenskredite.

Am breiten Markt sinken Basilea um 1 Prozent. Das Pharmaunternehmen hat an der Asco neue und positive präklinische Daten zu einem Produktkanditen in der Behandlung von Tumoren veröffentlicht.

Im Blick sind auch Burckhardt Compression, nachdem der Industriekonzern im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2016(17 einen Bestellungs- und Gewinneinbruch erlitten hat und sich im Ausblick auf die weitere Geschäftsentwicklung zurückhaltend zeigt. Die Aktien sacken rund 6 Prozent ab.

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08:10

Der Swiss Market Index wird am Dienstag nach Berechnungen von Banken und Brokern schwächer eröffnen. Vorbörslich wird der Schweizer Leitindex 0,9 Prozent tiefer indiziert und sinkt auf 8963 Punkte. Der Genussschein von Roche gibt 4,9 Prozent nach. Die von Roche zum Brustkrebsmedikament Perjeta veröffentlichten Details einer Medikamentenstudie werden den hohen Analystenerwartungen nicht gerecht. 

Über das Wochenende haben mehrere mächtige Nahost-Länder den Golfstaat Katar wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung unter Druck gesetzt. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain brachen ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar ab. Im Fokus dürften nach dem erneuten Anschlag in London und der Krise am Golf auch Aktien von Fluggesellschaften stehen.

An der Wall Street schlossen der Dow-Jones-Index und der S&P500 am Montag jeweils 0,1 Prozent tiefer. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 0,2 Prozent. 

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07:45

Die Krise am Golf treibt Anleger in Gold. Das Edelmetall verteuert sich am Dienstag um 0,6 Prozent auf 1286,71 Dollar je Feinunze. Das ist der höchste Stand seit sechseinhalb Wochen.

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07:30

Die Ölpreise stehen am Dienstag weiter unter Druck. Im frühen Handel am Dienstag kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 49,20 US-Dollar und damit 0,6 Prozent weniger als am Montag (zum Artikel).

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06:30

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index gab zuletzt 0,7 Prozent auf 20'026 Stellen nach. Der breiter gefasste Topix-Index fiel 0,6 Prozent auf 1600 Punkte. Der MSCI-Index für Aktien im Asien-Pazifik-Raum ohne Japan lag 0,2 Prozent tiefer.

Gegen den Trend gewannen die Papiere von Toshiba zwei Prozent an Wert. Die Zeitung "Asahi" berichtete, der angeschlagene Konzern wolle mit dem US-Chiphersteller Broadcom exklusiv über den Verkauf seiner lukrativen Chipsparte verhandeln. Durch den Verkauf erhofft sich das Unternehmen einen Befreiungsschlag.

Im fernöstlichen Devisenhandel verlor der Dollar gegenüber der japanischen Währung und war für 109,83 Yen zu haben. "Dass der Dollar relativ deutlich unter die Marke von 110 Yen gefallen ist, beunruhigt die Anleger", sagte Analyst Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Der Euro legte leicht zu und kostete 1,1272 Dollar. Der Schweizer Franken wurde mit 0,9628 Franken je Dollar und 1,0855 Franken je Euro gehandelt.

(cash/AWP/Reuters)