Im Fokus der Anleger in der neuen Handelswoche steht nach wie vor der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. «Ein 'Deal', wie immer dieser auch aussehen mag, ‌scheint möglich, ‌eine militärische Eskalation ist jedoch ebenfalls nicht auszuschliessen», schreiben die Experten der Helaba.

Am Freitag begannen im Oman trotz erheblicher Spannungen Gespräche zwischen den beiden Staaten. Die Positionen des Iran und der USA liegen weit auseinander - auch was die Agenda der Beratungen betrifft. US-Präsident Donald Trump hat mehrfach mit einem Militärschlag gegen den Iran gedroht, ​sollte es keine Einigung geben. Die USA haben bereits etliche Kriegsschiffe in die Region entsandt.

Der Konflikt schickte ‌die Ölpreise in der abgelaufenen Woche auf eine Achterbahnfahrt. «Die Stimmung der Anleger ‌hängt vom Ausgang der Gespräche ab», sagt Tamas Varga vom Ölmakler PVM. Viele Investoren fürchten Versorgungsengpässe, da eine Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran die Öllieferungen beeinträchtigen könnte.

Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch die Strasse von Hormus zwischen dem Oman und dem Iran transportiert. Angesichts von Spekulationen auf eine diplomatische Lösung ging es für die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI insgesamt nach unten: Am Freitagnachmittag lagen sie mit 67,64 und 63,37 ⁠Dollar je Fass (159 Liter) rund vier und drei Prozent über dem Vorwochenschluss.

Auch die als «sichere Häfen» angesehenen Edelmetalle schlugen in der alten Woche einen Zickzackkurs ein. So unterbrach Silber seine fulminante Jahresanfangsrally und verlor insgesamt mehr als zehn Prozent auf 74,57 Dollar je Feinunze. Gold trat im Wochenvergleich mit rund 4882 Dollar ​nahezu auf der Stelle. Dies, zusammen mit den jüngsten Kursschwankungen im Technologiesektor, verunsicherte auch Anleger am Aktienmarkt.

Trotz kurzfristiger ‌Kursanstiege konnte der Dax die Hürde von 25'000 Punkten nicht nachhaltig zurückerobern. Ein ähnliches Bild zeigte sich am Schweizer Aktienmarkt, wo der SMI auf Wochenfrist um 2,4 Prozent vorrückte. Der Schweizer Leitindex arbeitet sich weiter an der psychologisch wichtigen Marke von 13'500 Punkten ab. 

Verschobene US-Jobdaten im Blick

Martin Zurek, Portfoliomanager bei der Weberbank, zeigt sich jedoch gelassen. «Die weiterhin hohe Goldnachfrage der Zentralbanken sowie das strategische Absicherungsinteresse privater Investoren stützen den Markt», sagt der Experte. «Aus unserer Sicht handelt es ​sich um eine Konsolidierung innerhalb eines übergeordnet intakten Aufwärtstrends und nicht um eine strukturelle Trendwende.»

Im Mittelpunkt der neuen Konjunkturdatenwoche steht der US-Arbeitsmarktbericht für Januar, dessen Veröffentlichung wegen des zwischenzeitlichen Stillstands der US-Verwaltung vom Freitag auf Mittwoch verschoben wurde. Laut Experten dürfte er zeigen, dass der US-Jobmarkt trotz des kräftigen Wirtschaftswachstums auf der ‌Stelle tritt. «Ein Teil des geringeren Beschäftigungsaufbaus lässt sich sicherlich dadurch erklären, dass wegen der restriktiven Einwanderungspolitik ⁠weniger Arbeitskräfte neu auf den Arbeitsmarkt drängen», sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

Zudem warten Anleger unter anderem ‌auf das Barometer der Beratungsfirma Sentix für Februar. Dieses zeigt am Montag an, wie Börsianer auf die Konjunktur in der Eurozone blicken. Experten gehen von einer Verbesserung auf 0,0 nach minus ‍1,8 Punkten im Januar aus. Am Dienstag folgen die US-Einzelhandelsumsätze für den Weihnachtsmonat Dezember.

Besonders beachtet werden am Freitag die vorläufigen Daten zum Wirtschaftswachstum in der Eurozone im vierten Quartal sowie die US-Inflationszahlen für Januar. Daraus erhoffen sich Anleger Hinweise auf die künftigen ​Schritte der US-Notenbank Fed, die mit erhöhten Zinsen die Teuerungsrate einzudämmen versucht. «Dabei werden die Zahlen von einigen schwer ‍einzuschätzenden Sonderfaktoren beeinflusst, was die Unsicherheit erhöht», warnen die Commerzbank-Experten.

Bilanzsaison geht weiter

Am hiesigen Markt geht es am Dienstag mit der Bilanzsaison weiter, wenn AMS Osram die Jahreszahlen offenlegt, gefolgt von SchindlerSt. Galler Kantonalbank und SGS am Mittwoch. Am Donnerstag warten Montana Aerospace mit den Umsatzzahlen, sowie BCV, Bell, Dätwyler, Leonteq, Glarner Kantonalbank, Graubündner Kantonalbank, Last Minute und Swisscom mit den Jahresergebnissen auf. Mobimo rundet die Berichtswoche am Freitag ab. 

In Deutschland legen Unternehmen wie Tui, TeamViewer, Talanx, Ceconomy, Siemens Energy, Commerzbank, Douglas, Deutsche Börse, Thyssenkrupp, Mercedes-Benz, Siemens und Carl Zeiss Geschäftszahlen vor.

In den USA stehen unter anderem die Finanzberichte von McDonald's, Ford, Marriott, Hasbro, Coca-Cola, Robinhood, Lyft, Mattel, T-Mobile US, Kraft Heinz, Airbnb und Moderna an.

(Reuters/cash)