Regelmässig ermitteln die UBS-Analysten um Sebastian Vogel, bei welchen hiesigen Small und Mid Caps Anlegerinnen und Anleger bis über beide Ohren investiert sind oder einen grossen Bogen um die jeweiligen Titel machen. Dieser sogenannte «Crowding Factor» - auf Deutsch Marküberfüllung - beschreibt an der Börse das Phänomen, dass sehr viele Anleger gleichzeitig in einer Aktie investiert oder eben nicht investiert sind.

Dies ist insofern relevant, als die Positionierung oft unterschätzte Risiken wie eine erhöhte Volatilität in sich birgt. Wenn der Markt dreht, versuchen alle Investoren gleichzeitig, ihre übergewichteten Positionen zu verkaufen. Da es in solchen Situationen dann an Gegenkäufern mangelt, können die Kurse extrem stark korrigieren. Entsprechend ist der «Crowding Factor» ein wichtiges Hilfsmittel, um die Positionsgrösse in einem Titel festzulegen.

In Bezug auf den Schweizer Gesamtmarkt zeigen die ausgewerteten Daten bei den von der UBS abgedeckten hiesigen Small- und Mid-Cap-Unternehmen insgesamt einen relativ geringen «Crowding Factor» - mit einer leichten Tendenz zu negativer Marktüberfüllung. Im Vergleich dazu wiesen Large-Cap-Aktien aggregiert eine positivere Marktüberfüllung auf, wobei die absoluten Werte weitgehend mit den langfristigen historischen Durchschnittswerten übereinstimmen, wie die UBS in ihrer Studie festhielt.

Die aktuellsten Daten zeigen auf Einzeltitelebene, dass Accelleron, Burkhalter und Temenos in der Stichprobe das höchste positive «Crowding» aufwiesen. Der Turbolader-Hersteller Accelleron weist seit der Abspaltung von ABB ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum aus. Die Firma profitiert einerseits vom globalen Dekarbonisierungstrend in der Schifffahrt und andererseits vom Bedarf nach Gasturbinen bei neuen Rechenzentren. 

Der Schweizer Gebäudetechnik-Marktführer Burkhalter expandiert in der Schweiz derweil zuverlässig durch gezielte Zukäufe. Getragen wird das Geschäft von der anhaltend hohen Nachfrage nach energetischen Sanierungen, was zu Rekordumsatzzahlen und steigenden Dividenden führt. Temenos wiederum erholt sich nach dem Kurseinbruch vor zweieinhalb Jahren dank verbesserter Neukundengewinne, die besonders von KI-Initiativen im Finanzsektor angetrieben werden.

Auffallend ist bei diesen Valoren die Divergenz zwischen den UBS-Daten und der Kursentwicklung über die letzten zwölf Monate. Obwohl die drei Titel weiterhin übermässig in den Depots vertreten sind, haben sich die Notierungen von den Höchstpreisen der letzten 52 Wochen deutlich entfernt. Das heisst, Investierende haben bereits Gewinne mitgenommen, bleiben aber in hohem Masse engagiert.

Drei Nachzügler unter unterschiedlichen Vorzeichen

Am wenigsten stark ausgeprägt ist die Positionierung bei Rieter, Stadler Rail und DocMorris. Der Winterthurer Textilmaschinenhersteller bringt seit Bekanntgabe der Barmag-Übernahme von OC Oerlikon an der Börse kein Bein vor das andere. Der Titel notiert ein gutes Prozent über dem vor vier Monaten erreichten Allzeittief.

Anlegerinnen und Anleger können die Ausgangslage bei Rieter nun dahingehend interpretieren, dass aufgrund der unterdurchschnittlichen Positionierung einerseits wenig Potenzial gegen unten besteht. Dies, weil die, welche verkaufen wollten, dies bereits getan haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass es im Falle einer Verbesserung beim operativen Geschäft mit dem Titel rasch nach oben gehen könnte. Denn der «Crowding Factor» spielt nicht nur nach unten, sondern auch nach oben - in diesem Falle wird dem Titel hinterhergerannt, weil die Investorengemeinde untervertreten ist. 

Nach den jüngsten Kursgewinnen finden sich auch Stadler Rail (+17,6 Prozent seit Jahresbeginn) und DocMorris (+52 Prozent) nach wie vor unter den wenig geliebten Aktien. Somit besteht selbst nach den jüngsten Kursavancen weiteres Aufwärtspotenzial. 

Die aktuellen Crowding-Daten unter Berücksichtigung der Kauf-, Halten- und Verkaufsempfehlungen der UBS bestätigen zudem gute Aussichten für Comet, Huber+Suhner, Lindt & Sprüngli, Lonza und Sika, da diese Aktien ein vergleichsweise geringes Crowding-Niveau aufweisen. Im Gegensatz dazu rechtfertigt das erhöhte positive Crowding bei den neutral bewerteten Aktien Burkhalter, Sonova und Ascom nach Ansicht der UBS-Experten auch eine genauere Beobachtung. Bei den ebenfalls mit «Kaufen» bewerteten Aktien Ypsomed, Skan und Bachem deuten die deutlich negativen Crowding-Daten möglicherweise auf Aufwärtspotenzial hin.

Die UBS-Analysten gehen ferner davon aus, dass sich die Analyse der Crowding-Faktoren primär auf die Positionierung der Käuferseite konzentriert. Um jedoch ein umfassenderes Bild zu erhalten, verglichen der Experte Vogel und seine Kollegen diese Crowding-Faktoren auch mit den jeweiligen durchschnittlichen Analystenempfehlungen. Die Bewertung zeigt, dass diese Methodik zusätzliche Abweichungen aufdeckt.

Darüber hinaus könnten solche Diskrepanzen auf mögliche zukünftige Marktvolatilität hindeuten, so die Schlussfolgerung der UBS-Experten. In dieser Analyse stechen Unternehmen wie Georg Fischer, Cicor und Kardex hervor. Konkret sind die durchschnittlichen Analystenempfehlungen für diese Aktien eher positiv, während die Crowding-Faktoren eine konservativere Haltung nahelegen. Umgekehrt wirkt sich die hohe Nachfrage positiv auf Galenica aus, während die durchschnittlichen Analystenbewertungen eine vorsichtigere Einschätzung widerspiegeln.

Thomas Daniel Marti
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