Dividenden sind bei Anlegerinnen und Anlegern beliebt, sogar bei fallendem Aktienkurs liefern sie Barerträge und damit ein gewisses Einkommen. Zudem lindern sie im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld den oft beschriebenen Anlagenotstand. So liegt die Dividendenrendite des Swiss Performance Index (SPI) um gut 2,5 Prozentpunkte über der Rendite zehnjähriger Schweizer Staatsanleihen. Letztere werfen faktisch nichts mehr ab.

In den Fokus rücken damit die auf Dauer zuverlässigen Dividendenzahler - Unternehmen, welche die Ausschüttungen an die Aktionäre über Jahre hinweg gesteigert haben. Wer sie sind, geht aus einer Auswertung der Bank Vontobel hervor. Analyst Manuel Lang und seine Kollegen haben am Schweizer Aktienmarkt 15 Unternehmen ausgemacht, welche die Dividende mindestens in den zehn vergangenen aufeinanderfolgenden Jahren gesteigert haben (sh. unten). Sie sind als Dividendenaristokraten bekannt.

Vorweg: Im Vergleich zum letzten Bericht taucht Orior nicht mehr in der Liste auf. Hinzugekommen ist PSP Swiss Property. Ebenfalls vermuten könnte man Zurich Insurance und Swiss Re - zwei ebenfalls starke Schweizer Dividendenzahler. Doch sie haben die Zahlung an die Anlegerinnen und Anleger nicht durchgängig erhöht.

Unternehmen Dividende 2014 (CHF) Dividende 2024 (CHF) Erwartete
Dividende 2025 (CHF)
Erwartete
Dividendenrendite 2025 (%)
Dividendenwachstum
im Zehn-Jahres-Schnitt (CHF)
ALSO 1,60 5,10 5,30 2,6 12,3
DKSH 1,15 2,35 2,50 4,4 7,4
Geberit 8,30 12,80 13,00 2,2 4,4
Givaudan 50,00 70,00 74,00 2,3 3,4
Lindt & Sprüngli 72,50 150,00 160,00 1,5 7,5
Logitech 0,51 1,16 1,26 1,7 8,5
Nestlé 2,20 3,05 3,20 4,4 3,3
Novartis 2,60 3,50 3,70 3,2 3,0
Partners Group 8,50 42,00 45,00 4,2 17,3
PSP Swiss Property 3,25 3,90 3,95 2,7 1,8
Roche 8,00 9,70 9,90 2,8 1,9
Siegfried 0,15 0,38 0,40 0,5 9,7
Sika 1,20 3,60 4,00 2,7 11,6
Swiss Life 6,50 35,00 37,50 4,5 18,3
Temenos 0,40 1,30 1,40 1,9 12,5

Tabelle: Dividendenwachstum bei 15 Schweizer Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren. / Quelle: Bank Vontobel / Hinweis zu Lindt & Sprüngli: Zahlen beziehen sich auf den Genussschein und sind ohne Sonderdividenden.

Die Finanzgesellschaften Swiss Life und Partners Group stechen heraus. Sie haben in der vergangenen Dekade das steilste durchschnittliche Dividendenwachstum pro Jahr geboten, Swiss Life mit 18,3 Prozent und Partners Group mit 17,3 Prozent.

Der Privatmarktspezialist aus Baar/Zug hat die Ausschüttung von 8,50 Franken für 2014 auf 42,00 Franken für 2024 angehoben; für 2025 erwartet die Bank Vontobel 45,00 Franken. Swiss Life wiederum steigerte die Ausschüttung von 6,50 Franken (2014) auf 35,00 Franken (2024) und dürfte laut den Analysten nun 37,50 Franken ausbezahlen.

Die sukzessiven Erhöhungen über die Jahre hinweg zeugen «von der Widerstandsfähigkeit des zugrunde liegenden Geschäftsmodells, einer umsichtigen Kapitalallokation und dem klaren Bekenntnis des Managements zu Aktionärsrenditen», schreibt Vontobel-Analyst Manuel Lang.

Speziell bei den Schwergewichten des Swiss Market Index (SMI) reicht die Historie deutlich weiter zurück als bis 2014. Das Pharmaunternehmen Roche hat für 2024 die 38. Dividendenanhebung in Folge vorgenommen. Die 39. Anhebung dürfte das Management am Donnerstag bekannt geben, wenn es den Leistungsausweis des Geschäftsjahres 2025 vorlegt.

Novartis hat seit 1996 insgesamt 28 Mal erhöht. Nestlé begann in den frühen 1940er-Jahren, hat die Ausschüttungen zunächst nicht gekürzt und inzwischen 29 Mal nacheinander erhöht.

Solche Aktien bieten also erfahrungsgemäss solide Barauszahlungen. Die Vontobel-Untersuchung zeigt zudem, dass dieses Ausschüttungsmodell in der Regel durch hohe wiederkehrende Einnahmen und einen robusten freien Cash Flow getragen wird. Das ist wichtig. Denn eine steigende Dividende, die letztlich aus einer wachsenden Verschuldung finanziert wird, ist kaum nachhaltig.

Umgekehrt spiegelt sich in einer progressiven Dividendenpolitik das Vertrauen des Managements in die künftigen Cashflows, führen die Experten aus. Will heissen: Bei einer starken Bilanz und einem stabilen Geschäftsmodell kann man von einer höheren Ausschüttung auf Geldflüsse in der Zukunft oder zumindest auf die Zuversicht des Managements auf solche schliessen.

Ein halbes Dutzend Unternehmen dürfte die Dividende kürzen

Wie relevant die Auszahlungen an die Aktionäre sind, zeigt ein Blick auf die Gesamtrendite des SPI im vergangenen Jahrzehnt. Rund die Hälfte davon machen Dividenden aus. Die andere Hälfte ist durch die Kursperformance zustande gekommen. Mit Blick nach vorn erwartet die Bank Vontobel für 2026 ein Rekordausschüttungsvolumen von 64 Milliarden Franken.

Gleichwohl bleibt die Dividendenpolitik eine unternehmensspezifische Angelegenheit. Kürzungen sind oft einschneidend, besonders wenn sie überraschend erfolgen. Ein Rückgang muss aber nicht zwingend nur schlecht für die Anleger sein. Investiert das Management die Mittel oder verwendet es sie zum Schuldenabbau, können sich die langfristigen Perspektiven auch für die Aktionäre verbessern. Eine klare, um- und weitsichtige Unternehmenskommunikation dürfte hier vertrauenserhaltend sein.

Am Schweizer Markt sehen die Vontobel-Analysten sieben Unternehmen, welche die Dividende des Geschäftsjahres 2025 wohl stutzen werden: Holcim - aufgrund der Ausgliederung von Amrize -, Kühne+NagelBucher, Comet, Interroll, Kardex und SIG Group. Dass SIG kürzen wird, ist bereits bekannt. Das Management hat dies im September angekündigt. Grund: Der Schuldenabbau habe Priorität. Im Konzert mit einem tieferen Ausblick für das Gesamtjahr sackte die Aktie nach der Mitteilung des Verpackungsspezialisten zunächst ab. Inzwischen hat sie sich erholt und ist beinahe auf den Stand vor den September-Nachrichten zurückgekehrt.

Blick nur auf die Rendite kann trügen

Die Dividendenrendite - Dividende geteilt durch Aktienpreis - schwankt naturgemäss auch mit der Kursentwicklung. Bei konstanter Frankenausschüttung resultiert eine tiefere Rendite, wenn der Preis je Aktie steigt. Umgekehrt steigt sie, wenn der Kurs fällt. Deshalb kann der Blick allein auf die Dividende und ihre Rendite in Prozent über die Kursperformance und die Situation des Unternehmens hinwegtäuschen.

Beispiel: Clariant zahlte in den letzten drei Jahren je 0,42 Franken aus. Doch die Valoren sind so gesunken, dass die Dividendenrendite mittlerweile mehr als 5 Prozent beträgt.

Im Wissen um solche Entwicklungen geht aus dem Bericht der Bank Vontobel eine Liste der Unternehmen mit der höchsten erwarteten Dividendenrendite 2025 hervor:

Unternehmen Dividendenrendite (%)
Sunrise 8,5
Mobilezone 6,4
Clariant 5,7
Zurich Insurance  5,5
Swiss Re 5,1
Cembra 4,7
Swiss Life 4,5
Nestlé 4,4
Adecco 4,4
BCV 4,4

Tabelle: Unternehmen mit der höchsten erwarteten Dividendenrendite 2025. / Quelle: Bank Vontobel.

Geprägt wird das Bild von Telekommunikationswerten wie Sunrise sowie Finanztiteln wie Zurich Insurance, Swiss Re oder wiederum Swiss Life, die Gesellschaft, die das steilste Dividendenwachstum des Jahrzehnts ab 2014 aufweist. Im langfristigen Trend ist auch die Aktie gestiegen. Seit Anfang Januar 2026 befindet sie sich jedoch im Rückwärtsgang.

Reto Zanettin
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