Die erneuerbaren Energien könnten mit dem Irankrieg und der Schliessung der Strasse von Hormus wieder einmal ein Revival erleben. Denn die Abhängigkeit der Industrienationen von den erdölreichen Ländern am Golf ist in den letzten Wochen wieder einmal deutlich an den Tag getreten - wie bei den Ölpreisschocks 1973, 1979/1980 oder beim Ausbruch des Ukraine-Krieges 2022, als sich der Ölpreis im Wert innert kurzer Zeit verdoppelte. Noch schneller weg vom Erdöl und hin zu CO2-neutralen Energieträgern, lautet die Devise. Selbst die Kernenergie ist in Europa kein Tabu mehr. Etwas neidisch schaut man dieser Tage auch auf China, das in den letzten Jahren Solarindustrie und den Ausbau erneuerbarer Energien deutlicher vorangebracht hat als etwa Europa. 

Doch nun soll es auch auf dem Alten Kontinent wieder vorwärtsgehen. Die Europäische Kommission bereitet eine Empfehlung vor, welche die Besteuerung von erneuerbaren Energien und die Netzentgelte für den Stromtransport senken soll. Dies dürfte die Nutzung sauberer Technologien beschleunigen und die Belastung durch steigende Öl- und Gaspreise abfedern. Das wird mittelfristig den Ausbau der erneuerbaren Energieträger befeuern. 

Dabei standen die erneuerbaren Energien jahrzehntelang im Zentrum ideologischer Debatten. Daraus entstand ein «Boom-und-Bust»-Zyklus, welcher an der hiesigen Börse in den letzten Jahren Gewinner wie ABB, R&S oder Huber+Suhner, aber auch Verlierer wie Meyer Burger hervorbrachte. 

Zwischen 2019 und Ende 2021 trieben Nullzinsen, staatliche Subventionen und politische Dekarbonisierungsprogramme die Bewertungen von Solar-, Wind- und Wasserstofftiteln auf Rekordniveaus. Mit dem Inflationsschub, steigenden Zinsen und massiven Lieferkettenproblemen folgte eine mehrjährige Korrektur, welche im vergangenen Sommer endete.

So verloren während des Einbruchs 2022 bis 2025 Titel wie First Solar, Orsted, Siemens Energy oder Vestas rund zwei Drittel oder mehr an Wert. Zahlreiche Unternehmen mussten Geschäftsmodelle und Investitionspläne überdenken. Mit den ersten Zinssenkungen im vergangenen Jahr drehte der Wind. Kursgewinne sind wieder an der Tagesordnung, da bei den Investierenden ein grundsätzliches Umdenken stattfand.

Wer in diesen Sektor investiert, setzt nicht mehr auf Visionen, sondern auf konkrete Erfolgsgeschichten. Die profitablen, Cashflow-starken Hersteller von Transformatoren, Kabeln, Energiespeichern sowie Hardware- und Energielieferanten für Rechenzentren stehen im Rampenlicht. 

Politik schiebt Branche an

Jetzt gehe es um die systemische Elektrifizierung der gesamten Volkswirtschaft, betont Christian Rom, Portfoliomanager DNB Fund Renewable Energy bei DNB Asset Management, auf Anfrage von cash.ch. Der globale Elektrifizierungsgrad liege derzeit bei rund 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. In den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten könnte dieser Anteil auf 60 bis 70 Prozent steigen.

Die ökonomische Logik dahinter ist für den Portfoliomanager klar, denn Elektronen seien effizienter als Moleküle. Während bei Verbrennungsmotoren zwei Drittel der Energie als Wärme verloren gingen, würden bei Elektromotoren rund 90 Prozent in kinetische Energie umgewandelt. Diese Effizienzvorteile weisen langfristig den Weg.

Gleichzeitig wächst die Stromnachfrage wieder. Nach rund 15 Jahren Stagnation steigt der Verbrauch in den USA inzwischen um zwei bis drei Prozent pro Jahr. Treiber sind Rechenzentren, künstliche Intelligenz, Re-Industrialisierungstendenzen sowie die Elektromobilität. Allein die Investitionsausgaben für Rechenzentren summieren sich auf rund eine Billion Dollar. Das entspricht in etwa einem Prozentpunkt des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Die Ausrüster profitieren

Wegen der hohen Nachfrage nach Energie profitieren vorwiegend die Ausrüster entlang der Wertschöpfungsketten. Kabelhersteller wie Huber+Suhner, Prysmian und Nexans verzeichnen stark steigende Auftragsbestände und längere Vorlaufzeiten. Der Transformatorenhersteller R&S oder der brasilianische Motorenproduzent Weg bauen die Kapazitäten aus.

ABB und Schneider Electric spielen an vorderster Front bei neuen Automatisierungslösungen und der Elektrifizierung von Gebäuden sowie Rechenzentren mit. Die Halbleiterhersteller On Semiconductor oder Monolithic Power liefern wiederum die zentralen Komponenten für Stromumwandlung und Effizienzsteigerung. Die intelligenten Stromzähler des Schweizer Unternehmens Landis+Gyr gewinnen an strategischer Bedeutung, weil mit der wachsenden Energieeinspeisung aus Solaranlagen, Batteriespeichern und Elektrofahrzeugen der Bedarf an Echtzeitdaten über die Netzstabilität und die Lastverteilung steigt.

Im Bereich dezentraler Lösungen bauen Firmen wie Enphase Energy oder Sunrun in den USA Heimspeicher in Kombination mit Solaranlagen aus. Anlegerinnen und Anleger können allerdings nicht blindlings auf diese Titel setzen. «Das Risiko einer Kommoditisierung bleibt hoch. Wie zuvor bei den Solarzellen könnte der Preisdruck Margen belasten, weshalb Investoren genau prüfen müssen, wo technologische Eintrittsbarrieren bestehen und nachhaltige Kapitalrenditen erzielt werden können», erläutert Rom von DNB. 

Trotz dieser erwähnten Risiken bleibt etwa die Deutsche Bank (DB) für diese Firmen zuversichtlich. Erneuerbare Energien, insbesondere Solarenergie, zählten zu den am schnellsten ausbaubaren Energiequellen überhaupt und könnten in Kombination mit Batteriespeichersystemen ein stabileres Versorgungsprofil bieten, das besser zum Lastprofil von KI-gesteuerten Rechenzentren passe.

Dies eröffne Unternehmen im Clean-Tech-Sektor neue Chancen, so die DB-Experten. Solarenergie eigne sich aufgrund ihrer schnellen Skalierbarkeit, niedrigen bis nicht vorhandenen Grenzkosten und günstigen Stromgestehungskosten besonders gut, um diesen Bedarf zu decken. Von diesem Trend profitieren Unternehmen von nachgelagerten Energieerzeugern wie Clearway Energy oder Enlight Renewable Energy bis zu vorgelagerten Ausrüstungslieferanten wie SolarEdge, Enphase Energy, First Solar, Nextpower oder Array Technologies

Von Biogas bis Windenergie

Die grösste Einzelposition im «DNB Fund Renewable Energy» ist Darling Ingredients, der führende Biodieselproduzent in den USA. Das Unternehmen ist vertikal integriert, sammelt weltweit Schlachtabfälle und verarbeitet die Fette zu Biodiesel. Zudem fallen Nebenprodukte wie Kollagen für die Kosmetikindustrie an. Gerade im Luftverkehr gelten Biokraftstoffe mittelfristig als kaum ersetzbar. Die Branche ist zwar zyklisch und befindet sich aktuell in einer Schwächephase, doch strukturell bleibt sie politisch unterstützt – insbesondere in den USA, wo der Agrarsektor eine zentrale Rolle spielt, meint der DNB-Experte.

Ein weiterer prominenter Wert im DNB-Portfolio ist der Weltmarktführer für Offshore-Wind Orsted. Die politischen Unsicherheiten in den USA, insbesondere unter US-Präsident Donald Trump, belasteten das Unternehmen 2025, weil bereits zu 60 bis 80 Prozent fertiggestellte Projekte ins Stocken gerieten.

Dennoch lag die freie Cashflow-Rendite zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung im vergangenen Herbst bei rund 17 Prozent, argumentiert der Portfoliomanager von DNB. Mit einem Fondsgewicht von rund sechs Prozent zählt Orsted weiterhin zu den zentralen Positionen. Die Offshore-Windanlagen blieben aus europäischer Perspektive strategisch relevant, nicht zuletzt aus Gründen der Energiesicherheit.

ETF als zentrales Element 

Gegenüber Einzeltiteln kann mit einem «Exchange Traded Fund» - kurz ETF - mit einem breiten Portfolio auf die Energiewende gesetzt werden. Der «iShares Global Clean Energy ETF» ist das grösste und liquideste Instrument. Er bildet einen globalen Index von Produzenten und Technologieanbietern sauberer Energien ab. Die grössten Positionen sind Bloom Energy, Nextpower, First Solar, Iberdrola und China Yangtze Power. 

Der «Invesco Solar ETF» konzentriert sich speziell auf die Solarenergiebranche und bietet gezieltes Engagement in Solarherstellern und -installateuren wie First Solar, Nextpower, Enlight Renewable Energy und Enphase Energy. Der «First Trust Nasdaq Clean Edge Green Energy ETF» ist in den Toppositionen AlbemarleMonolithic Power, ON Semiconductor, Tesla, Bloom Energy und First Solar engagiert. Der ETF deckt ein breiteres Spektrum sauberer Energien ab, darunter Elektrofahrzeuge und fortschrittliche Materialien sowie Solar- und Windenergie.

Zwei Vorteile des ETFs liegen dabei auf der Hand. Einerseits kann dem Risiko eines Totalverlustes bei einem Einzeltitel wie bei Meyer Burger aus dem Weg gegangen werden. Nicht zu unterschätzen ist andererseits der Zeitaufwand, da dieser beim ETF deutlich geringer ist als bei der Überwachung einer Einzelposition. 

Thomas Daniel Marti
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