Der haushohe Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hatte an der Börse nur kurzfristig auf die Stimmung gedrückt. Von Asien über Europa bis nach Übersee wurden die Kursverluste wieder ausgebügelt, der Swiss Market Index (SMI) stiess gar auf ein neues Allzeithoch vor. Während die Strategie «Buy the Dip» an den Aktienmärkten einmal mehr funktionierte, gab der Dollar Terrain preis. 

Die akzentuierte Dollarschwäche macht Anlagen für Schweizer Investierende in Übersee unattraktiver. Dies umso mehr, als die neue demokratische Gouverneurin von Texas mit einem Moratorium für neue Datenzentren liebäugelt. Zur Erinnerung: Der abgewählte republikanische Gouverneur George Abbott galt als glühender Verfechter beim Neubau von Datenzentren. Insofern ist die Messe bei den KI-nahen US-Technologiewerten trotz Kursanstieg im Nasdaq 100 Index vom Mittwochnachmittag noch nicht gelesen. 

Ein schwächerer Dollar, die KI-bezogenen Risiken am US‑Aktienmarkt, gepaart mit den hohen Bewertungen, und die anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten sprechen in der Konsequenz für eine stärkere Ausrichtung des Portfolios auf defensive Schweizer Werte.

Die Schweizer Unternehmen sind zwar nicht immun gegen einen schwächeren Dollar, weil der starke Franken die Gewinne schmälert. Insgesamt dürfte die Volatilität an den US-Börsen über die nächsten zwei Jahre bis zum Ende von Donald Trumps Präsidentschaft höher als die an den Schweizer Aktienmärkten ausfallen. 

Fokus auf Dividendenerträge bewährt sich

Ein zentraler Portfoliobaustein bleiben dividendenfokussierte ETFs auf Schweizer Aktien wie der «iShares Swiss Dividend ETF» und der «UBS MSCI Swiss Dividend ETF». Der «iShares Swiss Dividend ETF» orientiert sich am «SPI Select Dividend 20 Index» der SIX. Der Index umfasst die 20 Aktien, die die ertragsstärksten Unternehmen mit einer stabilen Dividendenausschüttungsbilanz und solider Rentabilität aller im SPI vertretenen Aktien repräsentieren. Die Gewichtung jeder Aktienposition basiert auf der Streubesitz-Marktkapitalisierung und der normalisierten Dividendenrendite, die bei der jährlichen Indexüberprüfung berechnet wird.

Darüber hinaus unterliegt die Gewichtung jedes Wertpapiers im «SPI Select Dividend 20 Index» einem Begrenzungsfaktor von 15 Prozent, der vierteljährlich berechnet und angewendet wird. Die Neuausrichtung der Komponenten wird jährlich bei der ordentlichen Überprüfung im März durchgeführt. Entsprechend ist das «Who is who» der grosskapitalisierten Schweizer Dividendenperlen prominent vertreten: Zurich Insurance und Roche (je 15 Prozent Gewichtung), Nestlé und Novartis (je 14 Prozent) sowie Swiss Re und Holcim (je 10 Prozent) sind die sechs grössten Positionen. 

Wie wichtig die Dividendenerträge sind, lässt sich an der 20-jährigen Gesamtperformance bei den wichtigsten Schweizer Börsenindizes ablesen. Über diese Periode bringt es der Swiss Performance Index (SPI) - bei diesem Index werden die Dividenden reinvestiert - auf einen annualisierten Gesamtertrag von 5,8 Prozent, der Swiss Market Index (SMI) auf 5,9 Prozent und der Swiss Leaders Index (SLI) auf 6,1 Prozent. 

Die Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigen, dass im SMI zwei Drittel der Performance auf Dividenden und ein Drittel auf Kursavancen zurückzuführen sind. Beim SLI machen die Dividenden mit 60 Prozent des Gesamtertrags aus. Noch ausgeprägt fällt der Beitrag bei Einzeltiteln aus. Bei Zurich Insurance entfallen mehr als 82 Prozent des Gesamtertrags auf die Ausschüttungen, bei Swiss Re sind es gar 86 Prozent. Die zwei Schwergewichte Nestlé und Novartis bringen es auf 66 Prozent respektive 63 Prozent. 

Attraktive Dividendenperlen

Am breiten Aktienmarkt gibt es weitere Alternativen. Allerdings sollten sich Anlegerinnen und Anleger nur in erstklassigen Dividendentiteln engagieren und Titel mit hoher Verschuldung oder Ausschüttungsquoten nahe 100 Prozent meiden. Dies ist auch vor dem Hintergrund der Risiken an den US-Aktienmärkten zu sehen. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in Übersee bei einem allfälligen Eingrenzen des KI-Booms verschlechtern, könnte die US-Wirtschaft mittelfristig in eine Stagflation oder gar Rezession abdriften. 

Unter den Top fünf der Dividendenwerte im SPI weisen Sunrise (Dividendenrendite 7,8 Prozent), Mobilezone (7,3 Prozent), Partners Group (6,9 Prozent, APG (5,9 Prozent) und Cembra Money Bank (5,5 Prozent) die höchsten Renditen auf.

Allerdings kämpfen diese fünf Unternehmen mit Problemen. Die Verschuldung von Sunrise bleibt besorgniserregend, Mobilezone muss final die Restrukturierungsphase hinter sich lassen und bei Partners Group steht die Frage weiterhin im Raum, ob die Dividendenausschüttungen in den kommenden Jahren gesteigert werden können. APG weist wieder kaum Umsatz- und Gewinnwachstum aus, während Cembra gemäss den Analysten der UBS höher als gedachte Kreditrisiken in den Büchern hat. 

Deutlich besser aufgestellt scheinen Unternehmen wie Zurich Insurance (Dividendenrendite 4,9 Prozent), Züblin (4,8 Prozent), Phoenix Mecano (4,5 Prozent), BB Biotech (4,3 Prozent), VP Bank (4,3 Prozent), Swiss Re (4,1 Prozent), Valiant oder Flughafen Zürich (je 4,0 Prozent).

Ein langfristig resilientes Portfolio aufbauen

Gerade in unsicheren Zeiten ist eine möglichst «sturmerprobte» Portfoliozusammenstellung wichtig. Matthias Geissbühler, Anlagechef von Raiffeisen, hält denn auch an seiner defensiven Positionierung vorerst fest. Innerhalb der Aktien bevorzugt er den defensiven Schweizer Markt, während die USA, Europa und die Schwellenländer leicht untergewichtet bleiben. Übergewichtet ist Raiffeisen aus Diversifikationsgründen weiterhin bei Schweizer Immobilienfonds und Gold. Ergänzend hält der Experte von Raiffeisen opportunistisch eine erhöhte Liquiditätsquote, um bei attraktiveren Einstiegsgelegenheiten flexibel agieren zu können.

Anlegerinnen und Anleger sollten sich auch nicht davon irritieren lassen, dass US-Aktien am Mittwoch zu deutlich höheren Kursen gehandelt werden. Einerseits ist die Unsicherheit ob der Zwischenwahlen gewichen. Andererseits sind die Marktteilnehmer untergewichtet in US-Aktien engagiert, weshalb es in den nächsten Tagen mit den Kursen nach oben gehen könnte. Gerade die Techwerte profitieren, weil weniger Kapital bei einem langsameren Wachstum bei den Datenzentren anstehen könnte. 

Ferner steht saisonal im Normalfall ab Mitte November die Weihnachtsrallye vor der Tür, welche für weiter steigende Kurse sorgen kann. Auf diese kurzfristigen Entwicklungen an den US‑Börsen sollte nicht fokussiert werden, sondern vielmehr auf ein langfristig erfolgversprechendes Portfolio mit Schweizer Dividendentiteln. 

Thomas Daniel Marti
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