Die Androhung neuer Zölle durch US-Präsident Donald Trump wegen des Streits um Grönland hat die europäischen Aktienmärkte zum Wochenstart auf Talfahrt geschickt. Der ‌Dax rutschte ‌um bis zu 1,5 Prozent auf 24.912 Punkte, der EuroStoxx50 verlor in der Spitze 1,8 Prozent auf 5920 Zähler.

«Trumps Ankündigungen holen die Märkte aus dem 'Dornröschenschlaf', Risiko wird neu bepreist und die Kurse geraten spürbar unter Druck», kommentierte Salah-Eddine Bouhmidi, Marktexperte beim Broker IG.

Nach der Androhung zusätzlicher Strafzölle gegen EU-Länder wegen des Widerstands gegen US-Pläne zum Kauf ​Grönlands zeichneten sich bereits erste Konsequenzen der EU ab. «Anders als in früheren Verhandlungen wird die EU wohl diesmal ‌nicht klein beigeben», sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. «Es besteht das ‌Potenzial für eine noch nie dagewesene Spirale aus Zöllen, Gegenzöllen und weiteren Massnahmen.»

Anleger flüchten in Edelmetall und Rüstungssektor

Trump hatte angekündigt, ab dem 1. Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf Waren aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Finnland und Grossbritannien zu erheben. Diese sollen zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen, falls keine Einigung über einen Verkauf Grönlands an die USA erzielt wird.

Die Fraktionen im Europäischen Parlament entschieden daraufhin, die Abstimmung über das im vergangenen ⁠Jahr ausgehandelte Zollabkommen mit den USA auf unbestimmte Zeit zu verschieben. US-Firmen hätten damit zollfreien Zugang zum EU-Binnenmarkt bekommen. Nun droht, dass am 6. Februar automatisch EU-Zölle im Umfang von 93 Milliarden Euro auf bestimmte US-Waren verhängt werden könnten.

Der eskalierende Streit um Grönland trieb Anleger in sichere Häfen wie Gold und Silber und ​katapultierte die Preise auf neue Höchststände. Der Preis für Gold stieg in der Spitze um gut zwei Prozent auf ‌4689,39 Dollar je Feinunze. Silber verteuerte sich um 4,6 Prozent auf bis zu 94,08 Dollar. «Da Trump ‍nun auch Zölle ins Spiel bringt, ist klar, dass seine Drohung bezüglich Grönland real ist und wir dem Ende der Nato und politischen Ungleichgewichten in Europa einen Schritt näher sein könnten», ​kommentierte Matt Simpson, Analyst bei StoneX.

Dies liess Anleger bei den Aktien europäischer Rüstungsfirmen zugreifen. Rheinmetall verteuerten sich zeitweise mehr als drei Prozent. Die Aktien von Hensoldt stiegen um vier Prozent und die des deutschen Panzergetriebe-Herstellers Renk um mehr als fünf Prozent. Auch die Titel der französischen Firmen Thales und Dassault Aviation legten zu. Der ‌europäische Branchenindex für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung gewann in einem schwachen Marktumfeld rund ein ⁠Prozent.

Bayer-Aktionäre jubeln

Die Unsicherheit setzte im Dax vor allem Autokonzerne unter Druck. BMW-Aktien ‌waren mit einem Abschlag von bis zu sieben Prozent nach einer Herabstufung der grösste Verlierer. Die Analysten von Berenberg setzten die Titel auf «Hold» von zuvor «Buy». Auch die Anteilsscheine von Porsche, Volkswagen und ‍Mercedes-Benz gaben rund drei Prozent nach.

Um europäische Luxuswerte machten Investoren ebenfalls einen Bogen. Die Papiere von Hermes, Kering und Pandora sanken jeweils mehr als drei Prozent. Das Zollthema sowie ein negativer Analystenkommentar der Bank of America belastete einem Händler zufolge auch Adidas. Die Titel des ​Sportartikelherstellers brachen zeitweise knapp fünf Prozent ein und waren damit schwächster Dax-Wert.

Kräftigen Rückenwind aus den USA erhielt dagegen Bayer. ‍Die Titel schossen zeitweise mehr als acht Prozent nach oben, weil Anleger auf einen juristischen Durchbruch im Glyphosat-Streit in den USA wetteten. Auslöser war die am Freitag bekanntgewordene Ankündigung des Obersten Gerichtshofs der USA, sich grundsätzlich mit dem Glyphosat-Streit zu befassen. Für Bayer ist dies ein Etappensieg. Der Konzern hofft auf eine Grundsatzentscheidung, die die Klagewelle um den Unkrautvernichter Glyphosat eindämmen könnte.