Schweizer Aktienmarkt - Der Juli dürfte für Überraschungen gut sein

Der cash Insider rechnet für einmal nicht mit einer Sommerflaute am Schweizer Aktienmarkt und erwartet die eine oder andere Zahlenüberraschung. Vom Zwischenstand seiner Aktienfavoriten ist er enttäuscht.
03.07.2019 12:30
cash Insider
Der Juli dürfte für Überraschungen gut sein
Bild: fotolia.com

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"Sell in May and go away, but remember to come back in September." Ins Deutsche übersetzt heisst das in etwa soviel wie: Verabschiede Dich im Mai von den Aktienmärkten und kehre erst im September wieder zurück. So will es eine alte Börsenweisheit - in Anlehnung an saisonale Verhaltensmuster. Wer ihr vor gut vier Wochen Folge leistete, der verpasste allerdings einen der stärksten Börsenmonate seit Jahren. Um nahezu 4 Prozent ging es für den Swiss Market Index (SMI) nämlich nach oben. Mit einem Plus von gut 5 Prozent schnitten die Aktien mittelgrosser Unternehmen sogar noch besser ab. Der Swiss Market Index Midcap (SMIM) gewann mehr als 5 Prozent.

Treibende Kraft hinter diesen Kursgewinnen ist nicht die Unternehmensgewinnentwicklung, sondern vielmehr die Aussicht auf eine zusätzliche Geldschwemme, orchestriert durch die führenden Zentralbanken. Präsident Donald Trump scheint nun sogar die Entscheidungsträger bei der amerikanischen Notenbank weichgeklopft zu haben. Die Frage ist mittlerweile nicht ob, sondern vielmehr wann Notenbankpräsident «Jay» Powell die erste Leitzinsreduktion seit dem Höhepunkt der Finanzkrise der Jahre 2008/09 bekannt gibt.

Mit anderen Worten: In den letzten vier Wochen hat sich die Entwicklung der Aktienkurse in der Schweiz noch weiter von jener der Gewinnerwartungen abgekoppelt. Während die Aktienkurse stiegen, waren die Gewinnerwartungen rückläufig.

Egal ob Kühne+Nagel, ABB oder Credit Suisse - die Liste der Unternehmen, bei denen Analysten im Vorfeld der Berichterstattung für das erste Halbjahr quasi in letzter Minute noch den Rotstift ansetzen, wird von Tag zu Tag länger. Und noch ist die Berichterstattung nicht angelaufen. Nicht auszuschliessen, dass die Schätzungen im Anschluss daran gleich noch einmal reduziert werden müssen. Denn der Franken bleibt stark und die Wirtschaft verliert in vielen Weltregionen an Schwung.

Verhält es sich mit der wachsenden Diskrepanz zwischen den Aktienkursen und den Gewinnerwartungen wie mit dem Schuldenproblem Europas und der Vereinigten Staaten, dann lindert die "Politik des billigen Geldes" die Symptome - während die Ursachen beziehungsweise die Probleme munter vor sich hin schwelen.

Bilanz der letzten Jahre

Jahr Aktienfavoriten SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018 -19,1 Prozent -   8,8 Prozent
2019* +16,9 Prozent +21,9 Prozent

* Schlusskurse vom 28. Juni 2019

Mit der berühmt-berüchtigten Sommerflaute ist am Schweizer Aktienmarkt - trotz saisonal eher dünnen Handelsvolumina - deshalb wohl nicht zu rechnen. Vielmehr wird der Juli für so manche Überraschung gut sein. Wobei an dieser Stelle erwähnt sei, dass den zukunftsgerichteten Aussagen der Unternehmen ein höheres Gewicht als den harten Zahlenfakten beigemessen werden dürfte.

Da erstaunt es wenig, dass sich mächtige ausländische Grossinvestoren wie etwa der weltgrösste Vermögensverwalter Blackrock seit Wochen neu aufstellen. Die heissgelaufenen hiesigen Indexschwergewichte Nestlé, Roche und Novartis werden reduziert. Auch bei anderen sicheren Häfen wie den Valoren von Givaudan oder Alcon befinden sich Blackrock und Co. auf dem Rückzug. Der Verkaufserlös fliesst zum einen an konjunkturabhängigere Börsenplätze wie etwa Frankfurt oder aber in hiesige Zykliker.

Aus Schweizer Sicht gilt es dieses im Fachjargon auch Sektorrotation genannte Phänomen genauestens im Auge zu behalten. Denn noch immer sind die Valoren von Nestlé, Roche und Novartis bei Swiss Performance Index (SPI) und Swiss Market Index (SMI) für zwischen 50 und 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Damit steigt und fällt die Gesamtmarktentwicklung im weiteren Jahresverlauf mit den drei Schwergewichten.

Aktienentwicklung nach Börsenkapitalisierung seit Dezember 2010 zeigt Aktien von Unternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von mehr als 100 Milliarden Dollar in der Führungsrolle (Quelle: Société Générale)

Erst vor wenigen Tagen veröffentlichten die für kleine und mittelgrosse Schweizer Unternehmen verantwortlichen Analysten der UBS ein ziemlich interessantes Strategiepapier zum Thema Aktionärswertschaffung. Während neben dem Börsendebütanten Stadler Rail auch Logitech, VAT Group, Ems Chemie, Temenos, Inficon und Sika die Bestenliste der letzten fünf Jahre anführen, bilden AMS, Aryzta, Kudelski, Comet, Autoneum oder Schmolz+Bickenbach die Schlusslichter.

Dass die Sieger der Erhebung zu den besten Aktien der letzten Jahre und die Aktien der Schlusslichter zu den relativen Verlierern zählen, spricht Bände - und zeigt: An der Börse wird die Schaffung von Aktionärswerten durchaus honoriert. Spannend wäre noch zu wissen, ob auch die Arbeitgeberin der UBS-Analysten in den letzten fünf Jahren Aktionärswerte generieren konnte...

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel       21'784,96    
ABB N 500   19,73     9'795,00 -       70,00 -   0,71 Prozent
Bâloise N 75 134,00   12'960,00 + 2910,00 +28,96 Prozent
LafargeHolcim N 250 40,10   11'917,50 + 1892,50 +18,88 Prozent
Sika N 85 123,00   14'161,00 + 3706,00 +35,45 Prozent
Swatch Group I 37 266,70   10'341,50 +    473,60 +  4,80 Prozent
UBS N 850   11,76     9'860,00 -     136,00 -   1,36 Prozent
Georg Fischer N 17 790,00   15'861,00 + 1951,00 +14,03 Prozent
Siegfried N 30 332,00   10'200,00 +    240,00 +  2,41 Prozent
           
Total     116'880,96   +16,88 Prozent

* Schlusskurse vom 28. Juni 2019

Nun heisst es aber erst einmal: Asche über mein eigenes Haupt. Denn die letzten vier Wochen bescherten meinen Ende Dezember kommunizierten Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2019 nicht den erhofften Auftrieb. Die Performance verbesserte sich im Juni zwar von 13,6 auf 16,9 Prozent, was erfreulich ist. Allerdings steht dieser Zahl ein um fast 22 Prozent höherer SPI gegenüber.

Diese Differenz ist ziemlich enttäuschend und zeigt mir, wie schwierig es ist, schon nur mit dem breiten Markt Schritt halten zu können. Was immer ich in den letzten Wochen und Monaten bei den Aktienfavoriten auch umstellte und machte - ich komme einfach auf keinen grünen Zweig. Damit bin ich wohl aber nicht völlig alleine.

Auch mit dividendenstarken Aktien liess sich im Juni nicht punkten. Mit einer Performance von 14,2 Prozent hinken die Dogs of the SMI sowohl dem SPI als auch den Schweizer Aktienfavoriten hinterher.

Dass hohe Dividendenrenditen nicht vor Kursrückschlägen schützen, zeigt die Zwischenbilanz bei den Dogs of the SMI. Mit einer durchschnittlichen Rendite von 10,6 Prozent hinkten sie sowohl dem SPI, als auch den Schweizer Aktienfavoriten hinterher. Und selbst die Mitte Dezember gekürten Turnaround-Kandidaten warten mittlerweile mit einem eher enttäuschenden Plus von 15,3 Prozent auf.

Aktuelle Positionen «Dogs of the SMI»

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel       1'856,68    
Adecco N 220 45,93 12'905,20 + 2800,60 +27,72 Prozent
LafargeHolcim N 245 40,50 11'679,15 + 1756,65 +17,70 Prozent
Swisscom N 20 469,70   9'802,00 +   408,00 +   4,34 Prozent
Swiss Re N 110 90,12 10'916,40 + 1003,20 + 10,12 Prozent
UBS N 815 12,24   9'454,00 -    517,52 -    5,19 Prozent
Zurich Insurance N 35 293,10 11'896,50 + 1638,00 +15,97 Prozent
           
Total     66'509,93   +14,18 Prozent

* Schlusskurse vom 28. Juni 2019

Performance kosteten zuletzt vor allem die Aktien von LafargeHolcim. Zuerst drückte die Angst vor einer weiteren Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China auf die Kursentwicklung, dann die Beteiligungsreduktion durch den früheren Holcim-Ankeraktionär Thomas Schmidheiny. Im Zuge der Platzierung eines Teilpakets und der Auslagerung weiterer Aktien in ein Derivatkonstrukt dürfte der Stimmenanteil der Schmidheinys von 10,9 auf 7,2 Prozent schmelzen.

Es war der frühere Holcim-Ankeraktionär, der vor vier Jahren mit einem Aktienkurs von 100 Franken oder mehr für den Zusammenschluss von Holcim mit der französischen Lafarge warb. Dass er nun zu Kursen von weniger als 50 Franken auf einem Teilpaket Kasse macht, macht die damalige Aussage nicht gerade glaubwürdiger.

Allerdings stütze ich mich in meiner Zuversicht für die Papiere des Weltmarktführers aus Jona weiterhin auf den beeindruckenden Leistungsausweis von Firmenchef Jan Jenisch bei seinem früheren Arbeitgeber Sika ab. Jenisch drückt auch LafargeHolcim seinen persönlichen Stempel auf. So überrascht mich nicht, dass sein neuer Arbeitgeber als aussichtsreicher Interessent für das Bauchemiegeschäft von BASF gehandelt wird. Sofern der Preis stimmt, würde ich einen akquisitionsbedingten Vorstoss ins hochmargige Bauchemiegeschäft sehr begrüssen.

Dass Holcim einst über Jahre hinweg um Sika buhlte, jedoch nie zum Zuge kam, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der Baustoffhersteller ist längst eine Erfolgsgeschichte, die in der Schweiz ihresgleichen sucht. Ob sich Sika unter dem Dach des Zementherstellers ähnlich gut entwickelt hätte, wage ich stark zu bezweifeln.

Aktuelle Positionen «Turnaround-Kandidaten»

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel     12'886,30    
ABB N 500   19,73   9'795,00 -      70,00 -   0,71 Prozent
Aryzta N 8'580     1,17   9'601,02 -    298,97 -   3,99 Prozent
Ascom N 780   12,84   9'968,40 -      46,80 -   0,47 Prozent
Autoneum N 73 137,30 10'263,80 +   240,90 +  2,40 Prozent
DKSH N 168   59,55   9'609,60 -    394,80 -   3,95 Prozent
Implenia N 300   33,78   8'670,00 - 1464,00 - 14,45 Prozent
Klingelnberg N 295   33,85 10'059,50 +     73,75 +  0,74 Prozent
           
Total     80'853,62   +15,27 Prozent

* Schlusskurse vom 28. Juni 2019

Von den beiden Neuzugängen UBS und Swatch Group wussten bisweilen nur die Aktien der Swatch Group zu überzeugen. Sie profitierten einerseits von besser als erwartet ausgefallenen Schweizer Uhrenexporten im Mai, andererseits aber auch von versöhnlicheren Tönen im Handelsstreit zwischen Washington und Peking rund um den G20-Gipfel im japanischen Osaka.

Die eigentliche Enttäuschung sind die Valoren der UBS. Entgegen meinen Hoffnungen konnte Firmenchef Sergio Ermotti seinen Karriereabend bei der grössten Schweizer Bank nicht mit einer Verschmelzung der Vermögensverwaltung mit dem deutschen Fondsgiganten DWS krönen. Je nach Struktur eines solchen Zusammenschlusses hätte die UBS einen milliardenschweren Buchgewinn verbuchen können.

Die Papiere sind am unteren Ende des langjährigen Handelsbandes angelangt und zählen mit einer Dividendenrendite von fast 6 Prozent zu den Dividendenaristokraten im SMI. Regelmässige Leserinnen und Leser wissen, dass ich eigentlich nicht viel von Bankaktien halte. Mit etwas Geduld könnte sich ein Engagement für Anleger allerdings bezahlt machen.

Bisherige Transaktionen

Datum Titel   Anzahl Kurs   Total
28.12.2018 Sika N Kauf 85 123,00 Franken 10'455,00-
28.12.2018 LafargeHolcim N Kauf 250 40,10 Franken 10'025,00-
28.12.2018 Nestlé N Kauf 250 78,80 Franken 19'950,00-
28.12.2018 Bâloise N Kauf 75 134,00 Franken 10'050,00-
28.12.2018 Siegfried N Kauf 30 332,00 Franken 9960,00-
28.12.2018 Georg Fischer N Kauf 12 790,00 Franken 9480,00-
07.01.2019 AMS I Kauf 75 19,795 Franken 1484,63-
07.01.2019 Aryzta N Kauf 1'230 1,2155 Franken 1495,07-
07.01.2019 U-blox N Kauf 19 79,90 Franken 1518,10-
07.01.2019 GAM N Kauf 1'230 3,994 Franken 1497,75-
07.01.2019 Meyer Burger N Kauf 2'200 0,68 Franken 1496,00-
07.01.2019 Kudelski I Kauf 260 5,70 Franken 1482,00-
07.01.2019 Autoneum N Kauf 10 153,40 Franken 1534,00-
28.01.2019 AMS I Verkauf 75 27,93 Franken 2094,75+
28.01.2019 GAM N Verkauf 375 4,49 Franken 1683,75+
01.02.2019 Kudelski I Verkauf 260 6,46 Franken 1679,60+
04.02.2019 Meyer Burger N Verkauf 2'200 0,85 Franken 1870,00+
04.03.2019 U-blox N Verkauf 19 94,70 Franken 1799,30+
04.03.2019 Nestlé N Verkauf 125 90,96 Franken 11'370,00+
06.05.2019 ABB N Kauf 500 19,73 Franken 9865,00-
05.06.2019 Nestlé N Verkauf 125 100,24 Franken 12'530,00+
05.06.2019 Autoneum N Verkauf 10 128,90 Franken 1289,00+
05.06.2019 Aryzta N Verkauf 1'230 1,15 Franken 1414,50+
05.06.2019 Georg Fischer N Kauf 5 886,00 Franken 4430,00-
05.06.2019 UBS N Kauf 850 11,76 Franken 9996,00-
05.06.2019 Swatch I Kauf 37 266,70 Franken 9867,90-

 

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