Aktien erstes Quartal - Was die Tops und Flops über die Anleger aussagen

Defensive Aktien sind landläufig für ihre Behäbigkeit bekannt. Im ersten Quartal 2019 gehören aber sie zu jenen mit den stärkeren Kursanstiegen. Am Aktienmarkt bereitet man sich auf unruhige Zeiten vor.
27.03.2019 18:45
Von Marc Forster
Devisenanleger suchen schnell einen sicheren Hafen, wenn die Zeiten unsicher werden.
Devisenanleger suchen schnell einen sicheren Hafen, wenn die Zeiten unsicher werden.

Das erste Quartal hat bei den Large Caps im Zeichen des Rebounds gestanden. Der überdurchschnittlichen 11-Prozent-Zunahme des Swiss Market Index (SMI) muss der über 7-prozentige Rückgang im Schlussquartal 2018 gegenübergestellt werden. Der SMI-Gewinner LafargeHolcim (Performance seit Jahresbeginn: +22,1 Prozent) ist klar ein Titel, der 2018 gelitten hat und nun zurückgekommen ist.

Der Zementkonzern gewinnt durchaus an Solidität und ist ein investierbarer Titel (cash berichtete), seitdem CEO Jan Jenisch das Unternehmen neu organisiert. Aber die Analyse der SMI-Kursbewegungen im ersten Quartal deutet nicht in erster Linie auf Zykliker hin. In Erwartung eines schwieriger werdenden Marktes – die Konjunktur in Europa trübt sich ein, in den USA ängstigt man sich vor einer Rezession und China wird ebenfalls gebremst – positionieren sich die Anleger defensiver.

Nestlé (+19,1 Prozent) und die zum Pharma- und Gesundheitsuniversum gehörenden Titel von Lonza (+16,6 Prozent), Novartis (+12,9 Prozent) und Roche (+12,1 Prozent) sind überdurchschnittlich gestiegen, genauso wie die Versicherer Swiss Life (14,7 Prozent) und Zurich (+12,6 Prozent). Bei letzteren spielt eine Rolle, dass die Dividendensaison vor der Türe steht und beide Firmen gute Dividendenrenditen bieten: Zurich ist mit 5,8 Prozent ein Spitzenreiter und Swiss Life mit 3,3 Prozent langsam "bei den Leuten". 

Dass der sehr gute Dividendenzahler Swiss Re (5,8 Prozent Rendite) an der Börse nur um 8 Prozent gestiegen ist, zeigt, dass die Investoren den Rückversicherer nach wie vor skeptisch sehen. Dennoch gehört auch Swiss Re zu diesen eher defensiv reagiernden Titeln, an denen die Anleger in nächster Zeit festhalten werden. Starke Ausschläge hat die Aktie schon länger nicht mehr gezeigt. 

Performance SMI-Aktien (SMI +11,9 Prozent)

Erste 10 Aktien Veränderung
seit 1.1. 2019
Letzte 10 Aktien Veränderung
seit 1.1. 2019
LafargeHolcim +22,1 Prozent Swatch -1,2 Prozent
Nestlé +19,1 Prozent UBS -1,1 Prozent
Lonza +16,6 Prozent ABB -0,5 Prozent
Julius Bär  +16,1 Prozent Swisscom +3,9 Prozent
Swiss Life +14,7 Prozent Geberit +6,1 Prozent
Richemont +14,4 Prozent Credit Suisse +7 Prozent
Novartis +12,9 Prozent Swiss Re +8 Prozent
Zurich +12,6 Prozent Sika  +10,5 Prozent
Adecco +12,3 Prozent SGS +11,7 Prozent
Givaudan +12,2 Prozent Roche +12,1 Prozent

Stand: 27. März 2019 / Daten beide Tabellen: cash.ch

Mit der UBS, Swatch und ABB haben nur drei SMI-Unternehmen im Lauf des ersten Quartals an Kurswert verloren. In der Negativperformance der UBS (-1,1 Prozent) hallen die Worte von Konzernchef Sergio Ermotti nach, der die Monate Januar, Februar und März als eine sehr schwierige Periode für die globale Grossbank bezeichnete. Dass die Credit Suisse (+7 Prozent) besser performte, liegt eher an der positiven Grundstimmung als irgendeiner herausragenden Leistung der Bank im Laufe des Quartals. 

Auf das aktuelle Schlusslicht Swatch (-1,2 Prozent) richten sich seit geraumer Zeit die Hoffnungen von Contrarians: Ein an sich erfolgreiches Unternehmen, dessen Titel zu stark gelitten hat. Doch zeigt sich, dass Konkurrent Richemont (+14,4 Prozent) vor allem beim Vertrieb einiges besser macht. Eine Kurserholung bei Swatch muss weiter abgewartet werden.

Performance SPI-Aktien (SPI +13 Prozent) 

Auffällige Gewinner Veränderung 
seit 1.1. 2019
Auffällige Verlierer Veränderung 
seit 1.1. 2019
Santhera +111,9 Prozent Airopack -85,4 Prozent
Cicor  +42,1 Prozent Asmallworld -31,4 Prozent
Interroll +39,5 Prozent Addex -27,6 Prozent
Straumann +30,6 Prozent GAM -20,1 Prozent 
Kardex  +28 Prozent Autoneum -21 Prozent
Tornos +27,6 Prozent MCH Group -20,3 Prozent
Aryzta +27,2 Prozent Swissquote -19 Prozent
Panalpina +25,3 Prozent DKSH -15,4 Prozent
Logitech +21,4 Prozent Sunrise -15,3 Prozent
BEKB +20,9 Prozent Burkhalter -11,9 Prozent

 

Der breite Markt indessen zeigt eigene Charakteristika. Dass die Bestenliste im SPI von Santhera (+111,9 Prozent) angeführt wird, liegt am extrem volatilen Charakter von Biotech-Aktien. Eine positive Wirksamkeitsstudie für den Wirkstoff Idebenon katapultierte den Kurs Ende Februar nach oben, so dass sich der Börsenewrt von Santhera im Quartal mehr als verdoppelt hat. Zukunftsaussagen lässt dies aber nicht zu.

Ansonsten dominieren im breiten Markt traditionell Technologieunternehmen. Die Bestenliste zeigt, wo gerade Potential und Wachstum gesehen wird. Interessante Gewinner im Auftaktquartal 2019 sind Cicor (+42,1 Prozent) und Interroll (+39,5 Prozent). Interroll gehört zu einer Minderheit von Small und Mid Caps, die dieses Jahr Rekordzahlen, mehr Dividende und vor allem, keinen eingetrübten Ausblick vorgelegt haben. Denn bei vielen Unternehmen sind die Aussichten mittlerweile gedämpft. Cicor wiederum ist eine Turnaround-Story, die sich an der Börse auszuzahlen beginnt. Beide Aktien haben Potential, wobei Cicor die Rolle übernehmen könnte, die vor einem Jahr noch Tornos und Huber+Suhner innehatten. Tornos performte im ersten Quartal noch mit 27,6 Prozent. Huber+Suhner mit 12,8 Prozent Zuwachs droht, langsam die Gunst der Anleger zu verlieren.

Einen Turnaround braucht auch Aryzta: Der Zuwachs von 27,2 Prozent im ersten Quartal ist für den Restrukturierungsfall beachtlich und lässt hoffen. Die Analysten sind sich aber noch nicht einig, ob sie den Backwarenkonzern zum Kauf oder zum Verkauf empfehlen wollen. Ein ungewöhnlicher Gewinner ist auch der Logistiker Panalpina (+25,3 Prozent), dem Übernahmefantasien Schub gegeben haben.

Auch DKSH gehört zu den Verlierer-Aktien. Was es dazu zu sagen gibt, hat cash-Autor Lorenz Burkhalter zusammengetragen: Asien-Spezialist verdoppelt seine DKSH-Wette

Die Börsenflops des ersten Quartals schliesslich sind zum grossen Teil Unternehmen, die es – direkt gesagt – nicht anders verdient haben. Verpackungshersteller Airopack (-85,4 Prozent) ist de facto pleite, Vermögensverwalter GAM (-20,1 Prozent) musste hohe Geldabflüsse hinnehmen und die MCH Group (-20,3) hat Probleme mit ihrem Messegeschäft und weist ausserdem noch hohe Verluste aus. Die Luxus-Social-Media-Plattform Asmallworld (-31,4 Prozent) vermag mit dem Geschäftsmodell weiter nicht zu überzeugen.

Trotz zu erwartender schwieriger Börsenlage gibt es aber abgestrafte Unternehmen, die man nicht abschreiben sollte. Gewinnwarnungen haben zwar das Vertrauen in Autoneum (-21 Prozent) beschädigt, doch hat der innovative Lärm- und Hitzedämmspezialist für die Autobranche durchaus Potential und sollte weiter hinsichtlich einer Einstiegschance beobachtet werden. Die Onlinebank Swissquote (-19 Prozent) war traditionell eine der besten Schweizer Finanzaktien. Dass eine gesenkte Gewinnprognose zuletzt den Kurs belastet hat, heisst noch nicht, dass Swissquote zu einem schlechten Investment geworden ist, sondern eher etwas Geduld verlangt.