Börsengänge Schweiz - Das ist die Bilanz der Schweizer Börsen-Neulinge

In den letzten drei Jahren haben 14 Firmen den Gang an die Schweizer Börse gewagt. Nicht allen ist der Start ins Börsenleben gleich gut geglückt. cash zeigt, welche Frischlinge für Anleger interessant sind.
26.02.2017 23:01
Von Pascal Züger
Sunrise ist seit dem 6. Februar 2015 an der Schweizer Börse kotiert.
Sunrise ist seit dem 6. Februar 2015 an der Schweizer Börse kotiert.
Bild: cash

In der zweiten Jahreshälfte 2017 soll ein Teil der Schweiz-Tochter der Credit Suisse – ungefähr 20 bis 30 Prozent - an die Schweizer Börse gehen. Das könnte der CS Kapital in der Höhe von 2 bis 4 Milliarden Franken einbringen.

Es wäre das IPO-Highlight der Schweiz Börse im aktuellen Jahr, wo bislang noch keine einzige Firma an die Börse gegangen ist. Doch ob es überhaupt so weit kommt, steht noch in den Sternen: "Das Teil-IPO ist weniger notwendig als noch vor 18 Monaten", sagte CS-CEO Tidjane Thiam jüngst in einem Video-Interview anlässlich der Jahreszahlen 2016.

Der CS-Schweiz einen Schritt voraus sind jedenfalls die 14 Firmen, welche sich seit 2014 an der Schweizer Börse SIX kotieren liessen.  Im letzten Jahr gingen fünf Unternehmen an den hiesigen Aktienmarkt, im stürmischen Jahr 2015 waren es bloss drei, 2014 klingelte die IPO-Glocke an der SIX dafür gleich sechs Mal.

Wie ein Blick auf die Kursperformance zeigt (siehe auch Tabelle unten), haben nicht alle Neu-Aktien einen optimalen Start hingelegt: 7 von 14 Unternehmen ist es gelungen, seit dem IPO bis heute die Performance des Swiss Performance Index (SPI) zu überbieten. Am besten erging es dabei dem Vakuumventil-Anbieter VAT Group mit plus 115 Prozent seit Börsengang (SPI: plus 10 Prozent im selben Zeitraum). 

Am anderen Ende finden sich Lastminute.com (ehemals Bravofly Rumbo Group) mit enttäuschenden minus 70 Prozent (SPI: plus 15 Prozent). Der Online-Reiseanbieter ist mit dem IT-Sicherheitsunternehmen Wisekey (minus 65 Prozent seit IPO) die einzige von den 14 IPO-Unternehmen, die in den letzten drei Jahren abfielen. Die anderen zwölf Aktien sind alle gestiegen.

Doch wo lohnt sich aktuell noch ein Einstieg? Diese vier Aktien könnten Anleger noch viel Freude bereiten:

Sunrise – attraktiver Dividendentitel

Die ersten Schritte als börsenkotiertes Unternehmen waren für den Telekommunikationskonzern nicht sehr erfolgreich. Drei Monate nach dem Börsengang vom Februar 2015 büsste die Aktie fast ein Viertel an Wert ein. Doch seither zeigt die Aktie mehrheitlich nach oben. In den letzten 12 Monaten sind es plus 23 Prozent.

Das Marktumfeld im Telekomsektor ist aber nicht leicht. Unbestrittene Nummer eins ist die teilstaatliche Swisscom, gleich hinter Sunrise kämpft Salt um mehr Marktanteile. Die Konkurrenz untereinander dürfte die Preise weiter nach unten drücken. Für Freude unter den Aktionären sorgte hingegen Ende Januar die Meldung, dass Sunrise Sendemasten verkaufen will. Die Erlöse könnten für Dividenden-Ausschüttungen verwendet werden. Die Dividendenrendite liegt bereits jetzt bei über 4 Prozent. Am Donnerstag präsentiert Sunrise die Zahlen für das Jahr 2016.

SFS – überteuert, oder geht die Bergfahrt weiter?

SFS spezialisiert sich auf die Kaltmassivumformung von Metallen und beliefert diverse Industrien, etwa die Auto-, Bau- und Elektronikindustrie. Das Unternehmen musste seit dem Börsengang im Mai 2014 bereits einige Turbulenzen überstehen, welche sich auch negativ im Geschäftsergebnis niederschlugen: Einerseits der Frankenschock im Januar 2015 und im August des gleichen Jahres auch die Wachstumsverlangsamung Chinas.

Doch die Heerbrugger reagierten auf die widrigen Umstände, sie führten Verbesserungsprogramme durch und fokussieren sich seither auf Geschäftsaktivitäten mit hoher Wertschöpfung. SFS bedient dank einem klugen Zukauf in den USA neu auch den Markt für Medizinaltechnik. Die grosse Frage ist nur, ob dies alles nicht schon eingepreist ist im Aktienkurs: In den letzten 52 Wochen stieg die Aktie um 38 Prozent an, das Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 26 deutet auf eine teure Bewertung hin. Zahlreiche Analysten sind aber noch immer begeistert von SFS: UBS, Vontobel und Kepler Cheuvreux empfehlen zum Kauf.

Glarner Kantonalbank – der digitale Vorreiter

Mit einem Börsenwert von 276 Millionen Franken gehört die Glarner Kantonalbank (GLKB) zu den kleinsten Banken an der Börse. Doch klein heisst nicht langweilig: Die GLKB-Aktie geht seit dem IPO im Juni 2014 munter aufwärts ( plus 37 Prozent). Die Glarner Bank nimmt im Bereich digitales Banking dank diversen Onlinekanälen wie Hypomat oder Kontomat eine Vorreiterrolle ein. CEO Hanspeter Rhyner schaffte es in der cash-Online-Umfrage zum Banker des Jahres 2016 bis auf den zweiten Rang - vor Ermotti, Gisel oder Thiam.

Noch im Jahr 2008 kriselte es massiv bei der Bank, aufgrund einer verfehlten Kreditpolitik mussten Wertberichtigungen von fast 100 Millionen Franken durchgeführt werden. Die Zahlen sind derzeit aber sehr solid, ausserdem ist das Potenzial mit den Online-Hypotheken noch längstens nicht ausgeschöpft. Dazu gibt es eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent sowie die Staatsgarantie. Allerdings könnte die starke Abhängigkeit vom Immobilienmarkt im Falle einer Krise zum grossen Manko werden.

Cassiopea – die riskante Wette

Cassiopea gehörte früher dem Pharmaunternehmen Cosmo und spezialisiert sich auf Dermatologieprodukte. Die Performance von gerademal plus 1 Prozent seit dem Börsenstart im Juli 2015 ist keine herausragende Leistung (SPI im selben Zeitraum: plus 5 Prozent). Doch steht und fällt bei Cassiopea praktisch alles mit der 2018 erhofften Marktzulassung des Medikaments Winlevi, welches Akne bekämpfen soll. Umsätze werden derzeit noch keine generiert. Für 2021 sind dann drei weitere Produkte geplant.

Bis dahin ist bei den Aktionären Geduld gefragt. Kursausschläge kann es immer dann geben, wenn Fortschritte in der Entwicklungspipeline vorliegen – oder wenn es zu Verzögerungen in der Produktentwicklung kommt. Derzeit verfügt Cassiopea noch über Barmittel von 33,7 Millionen Euro – wie CEO Diana Harbort anlässlich der Jahreszahlen 2016 letzten Freitag mitteilte, sollten diese Mittel bis zur Auswertung der Daten der klinischen Versuche der Phase III von Winlevi reichen. Schlussendlich handelt es sich bei Cassiopea um eine typische Biotech-Wette: Alles oder nichts. Die Aktie ist nur für risikofreudige Anleger.

Performance aller Börsengänge in der Schweiz seit 2014

Titel Datum IPO Aktienperformance seit IPO, in % Performance des SPI seit IPO, in %
Varia US Properties 08.12.2016 +3 +8
KTM Industries 14.11.2016 +6 +9
Investis 30.06.2016 +13 +9
VAT Group 14.04.2016 +115 +10
Wisekey 31.03.2016 -65 +12
Cassiopea 01.07.2015 +1 +5
Plazza 26.06.2015 +7 +2
Sunrise 06.02.2015 +5 +11
Molecular Partners 05.11.2014 0 +9
Glarner Kantonalbank 24.06.2014 +37 +10
Hiag Immobilien 16.05.2014 +43 +10
SFS Group 07.05.2014 +42 +13
Lastminute.com 15.04.2014 -70 +15
Thurgauer Kantonalbank 07.04.2014 +26 +13

Quellen: SIX, cash.ch. Stand 24.02.2017