Die vorrückenden Aktien der UBS beherrschten in den vergangenen Wochen und Monaten, mitten in den Eigenkapitaldiskussionen, die Schlagzeilen an den Märkten. Es sind allerdings nicht nur die Titel der Grossbank, welche mit Kursgewinnen auffallen. Nicht wenige Anlegerinnen und Anleger erfreuen sich an den neuen Höchstkursen bei den Kantonalbanktiteln von Genf bis Graubünden.
Beim Blick auf das Tableau der Schweizer Finanzwerte fallen aber auch Vontobel oder Julius Bär mit höheren Kursen auf. Der Bär-Titel steigt seit rund drei Wochen von einem Allzeithoch zum anderen. Überflieger aus dem Vorjahr wie EFG International, Swissquote oder VZ Holding müssen in diesem Jahr dagegen mit hinteren Rängen vorliebnehmen (siehe Tabelle unten).
Gerade das Comeback von Vontobel ist auf den ersten Blick erstaunlich. Die Aktien des Zürcher Vermögensverwalters wurden in den letzten Jahren beinahe genauso vernachlässigt wie diejenigen der jurassischen Kantonalbank. Gerade mal eine Handvoll Analysten deckt den Titel noch ab. Auffallend dabei: Es gibt keine Kaufempfehlung für den Titel. Fünfmal «Halten» lautet das eher biedere Urteil der Experten bei einem durchschnittlichen Kursziel von 75 Franken, welches unter den bezahlten Preisen um die 80 Franken liegt.
Als langweilig wurde die Aktie in der Vergangenheit bezeichnet, weil es operativ wenig Fortschritte gab und institutionelle Kunden konstant Gelder beim Vermögensverwalter abzogen. Ob es Vontobel im ersten Halbjahr 2026 gelungen ist, diese Abflüsse zu stoppen, wird sich zeigen müssen. Die Meinungen der Experten sind geteilt: Die Citibank erwarten wieder positive Nettogeldzuflüsse, während die Analysten von Oddo BHF zurückhaltend bleiben.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 liegt Vontobel bei dieser Kennzahl im Mittelfeld, zusammen mit UBS, Cembra und EFG International. Immerhin kann sich die Dividendenrendite von 3,8 Prozent auch nach der jüngsten Kursrallye weiter sehen lassen, zumal weitere Erhöhungen erwartet werden. Gemäss Analystenkonsens sollte die Ausschüttung von 3,00 Franken (2025) auf 3,55 Franken (2028) steigen. Das entspräche einem Zuwachs von 18 Prozent über die nächsten drei Jahre. Und damit ginge auch eine Tradition weiter: Denn Vontobel weist seit vielen Jahren eine hohe Rendite aus und ist bei Dividendenjägern entsprechend beliebt.
| Firma | Kursentwicklung seit 1.1.2026 | Dividenden-Rendite | Ausschüttungs-Quote | KGV |
| Swissquote | -14% | 1.8% | 30% | 18 |
| VZ Holding | 6% | 1.9% | 49% | 23 |
| Thurgauer Kantonalbank | 11% | 2.0% | 44% | 21 |
| UBS | 16% | 2.0% | 44% | 13 |
| Graubündner Kantonalbank | 26% | 2.1% | 55% | 25 |
| Banque Cantonale de Genève | 36% | 2.1% | 23% | 11 |
| Berner Kantonalbank | 23% | 2.9% | 57% | 19 |
| St. Galler Kantonalbank | 14% | 3.1% | 53% | 16 |
| Banque Cantonale Vaudoise | 22% | 3.6% | 88% | 24 |
| Julius Bär | 17% | 3.6% | 70% | 12 |
| Valiant | 6% | 3.7% | 61% | 15 |
| Vontobel | 24% | 3.8% | 60% | 13 |
| EFG International | -7% | 3.8% | 59% | 13 |
| Glarner Kantonalbank | 13% | 4.2% | 62% | 12 |
| Cembra | 5% | 4.9% | 91% | 13 |
| Partners Group | -29% | 6.6% | 94% | 14 |
Quelle: Bloomberg, S&P Global
Mangels Katalysatoren ist es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Titel von Vontobel in einem Umfeld mit allgemein gefragten Finanzwerten das Nachholpotenzial indessen ausgeschöpft hatten. Dies schliesst nahtlos an das Verhalten mit hohen Kursgewinnen an, welches in den vergangenen drei Jahren bei den Kantonalbank-Aktien oder bei Valiant beobachtet werden konnte. Auch da reichte ein positives Umfeld für stellenweise stark steigende Kurse.
Erst vor Wochenfrist kam es bei einem Analysten zu einer Neubeurteilung, nachdem es zuvor lnage Zeit still blieb. Vontobel profitiere derzeit von einem positiven Marktumfeld, was deren verwaltete Vermögen - sogenannte Assets under Management oder kurz AUM - und die Erträge hebe, schrieb der Analyst Daniel Regli von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einer Einschätzung.
Allerdings liessen die Nettoneugeldzuflüsse nach wie vor zu wünschen übrig, meint Regli von der ZKB weiter. Aufgrund der höheren Gewinne schätzte er den Titel neu mit einem Fair Value von 77 nach 69 Franken ein. Die Einstufung lautet weiterhin «Marktgewichten».
Beim Blick auf die nächsten Jahre zeigt sich beim Gewinnwachstum ein verhaltenes Bild bei Vontobel. Im Jahr 2026 dürfte gemäss Konsensschätzung der Analysten der Gewinn pro Aktie um 14,5 Prozent ansteigen, 2027 noch um 3,7 Prozent und 2028 um 2,8 Prozent.
Wie schwierig das Umfeld für Vontobel bleibt, zeigt ein Vergleich mit dem Konkurrenten EFG International. Hier erwarten die Experten ein Gewinnwachstum von 17 Prozent (2026 und 2027) sowie 13 Prozent für 2028 - notabene bei gleich hohem KGV, gleicher Dividendenrendite und Ausschüttungsquote auf dem Niveau von Vontobel.
Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, wenn die Experten bei der Konkurrenz auch ein höheres Dividendenwachstum veranschlagen als bei Vontobel mit 18 Prozent über die nächsten drei Jahre. Bei EFG International wird eine Dividendensteigerung von 47 Prozent erwartet, bei VZ Holding eine von 31 Prozent oder bei Valiant eine von 26 Prozent.
Unter diesen Vorzeichen scheint die Hochstufung von EFG International auf «Buy» von «Neutral» durch die Citigroup vom Montag logisch. Der zuständige Analyst Nicolas Herman erhöhte zudem das Kursziel auf 18,80 von 18 Franken. Das Marktumfeld bleibe vorteilhaft und die Ziele bis 2028 seien in Reichweite, betont der Experte in einer Kundennotiz.
Der Vermögensverwalter EFG habe die Ziele konservativ formuliert und das organische Wachstum dürfte sich weiter beschleunigen. Zudem sieht der Citigroup-Analyst Möglichkeiten für attraktive Übernahmen. Nach der schwachen Kursentwicklung im laufenden Jahr sehe er derzeit einen guten Punkt zum Einstieg in die Titel. Seit der Ratingänderung hat der Titel fünf Prozent zugelegt, womit das Kurspotenzial auf etwas mehr als fünf Prozent zusammengeschrumpft ist.
Swissquote in einer ungewohnten Rolle
Gar nicht auf Touren kamen im ersten Halbjahr die Titel von Swissquote. Drei Gründe sind dafür ausschlaggebend. Erstens sind die Zinserträge merklich gesunken, nachdem die Schweizerische Nationalbank im abgelaufenen Jahr 2025 den Leitzins auf null Prozent zurückgefahren hatte. Zweitens kam die Flaute bei den Kryptowährungen hinzu. Bitcoin & Co gehörten in den starken Marktphasen 2024 und 2025 zu den wichtigsten Umsatztreibern der Onlinebank. Der Umsatzanteil mit digitalen Währungen beträgt bei Swissquote 12 Prozent.
Die Kurszielerhöhung vor Wochenfrist durch Goldman Sachs vermochte den Titel nicht anzuschieben. Die US-Investmentbank erhöhte dieses für Swissquote in einer Branchenstudie auf 48 von 45 Franken und beliess die Einstufung auf «Neutral».
Die Juni-Daten europäischer Privatanlegerplattformen deuteten nach Einschätzung des Londoner Analysten Oliver Carruthers von Goldman Sachs zwar auf ein stärkeres Quartal hin, als die aktuellen Konsensschätzungen erwarten lassen.
Wie bei der Bank Vontobel liegen für Swissquote fünf Empfehlungen «Halten» vor bei einem durchschnittlichen Kursziel von 44 Franken. Das ergibt ein Kurspotenzial von knapp fünf Prozent.

