Trotz des Iran-Kriegs blicken die Börsen weltweit auf ein erfolgreiches halbes Jahr zurück. Der Swiss Market Index (SMI) erzielte einen Gesamtertrag - sprich Kursavancen plus Dividenden - von 10,8 Prozent. Der EuroStoxx50 legte in der gleichen Periode in Franken gerechnet um 10,3 Prozent zu, während der deutsche Aktienindex (DAX) unterdurchschnittlich abschnitt und eine Rendite von 2,2 Prozent erzielte.
Allerdings reichte es für die europäischen Märkte - einmal mehr - nicht, die Pendants in Übersee hinter sich zu lassen. Der Dow Jones Industrial Index (+12,6 Prozent), S&P 500 Index (+12,8 Prozent) und der Nasdaq (+18,4 Prozent) legten allesamt stärker zu. Dies gelang den amerikanischen Börsen, obwohl diverse Marktkommentatoren seit Längerem auf eine Überbewertung hinweisen und die «7 Magnificent» - Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla - mehr oder weniger stagnierten.
Im SMI wussten im ersten Halbjahr ABB (+47 Prozent), Novartis (+16 Prozent), Kühne+Nagel (+15 Prozent) zu gefallen. Eine wichtige Stütze waren dem Markt auch die beiden Schwergewichte Nestlé (+6,2 Prozent) und Roche (+2,4 Prozent), welche im Vergleich zu den Vorjahren mit Kursavancen auf sich aufmerksam machten. Derweil stagnierten die Versicherungsvaloren Swiss Life, Swiss Re und Zurich Insurance, während es für Geberit (-13 Prozent), Alcon (-14 Prozent) und Partners Group (-34 Prozent) Kursverluste absetzte.
Getragen wurden die Kursavancen von dem steigenden Gewinnwachstum der SMI-Unternehmen, welches gemäss den von Bloomberg befragten Analysten im Durchschnitt auf 7 bis 9 Prozent für 2026 zustehen kommen sollte. Dieser Rückenwind dürfte in der zweiten Jahreshälfte entsprechend anhalten.
Für Unterstützung sorgt auch das anhaltende Dividendenwachstum. Die hiesigen Dividenden sind seit 2009 im Allgemeinen jedes Jahr gestiegen. Im Jahr 2021 sanken die gesamten SMI-Dividenden jedoch um 5 Prozent nach der Corona-Pandemie. Von 2022 bis 2025 erholten sie sich jährlich um 4 bis 8 Prozent, erläuterte Stefan Meyer, Aktienstratege der UBS im Chief Investment Office (CIO), jüngst in einem Strategiepapier. In einem optimistischsten Szenario erwartet der UBS-Experte einen Anstieg im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich im Frühjahr 2027 - das heisst für das Geschäftsjahr 2026 - und im Jahr 2028.
Die Währungseffekte seien überschaubar, betont zudem Meyer von der UBS. «Die Währungseffekte waren 2024 leicht negativ, 2025 jedoch deutlich negativ. In diesem Jahr blieben die Währungsverluste für Schweizer Unternehmen im ersten Quartal 2026 weiterhin deutlich negativ. Wir erwarten jedoch, dass die negativen Währungseffekte sich ab dem zweiten Quartal 2026 deutlich abschwächen werden.» Falls alles gut läuft, könnte der SMI bis im Juni 2027 auf 15'500 Punkte steigen, meint der UBS-Aktienstratege.
Mögliche Party-Crasher
Trotz der Kursrallye im ersten Halbjahr gehen die Börsen in ein fragiles zweites Halbjahr über. Wie immer gibt es genügend Faktoren, welche die Börsenhausse ausbremsen können. An erster Stelle steht der notorisch starke Franken trotz der jüngsten Schwäche.
Sollte sich der Iran-Krieg wider Erwarten fortsetzen und an Intensität hinzugewinnen, so wäre es einmal mehr vorbei mit einem etwas schwächeren Franken, weil die hiesige Währung in Phasen globaler Unsicherheit weiterhin als klassischer «sicherer Hafen» fungiert. Eine erneute Aufwertung des Frankens würde ein signifikantes Risiko für die stark exportorientierte Schweizer Wirtschaft darstellen.
Zweitens sind die Inflationsgefahren nicht auszublenden. Die Kreditmärkte preisen zwei respektive eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank Fed und durch die Europäische Zentralbank (EZB) ein. Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geht der Markt dagegen von unveränderten Leitzinsen bis zum Sommer 2027 aus.
Auf Einzeltitelebene können die drei defensiven Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis wegen des dominierenden Anteils im SMI jede Rallye des SMI ausbremsen. Das hat sich über die letzten drei Jahre deutlich gezeigt, da wahlweise ein oder zwei dieser Titel den SMI wie einen Bremsklotz zurückhielten. Da hilft es wenig, wenn ABB, Swiss Life oder UBS von einem Rekord- respektive Mehrjahreshoch zum nächsten eilen.
Da zudem im September mit Galderma und Sandoz zwei weitere Pharmatitel den Sprung in den SMI schaffen, nimmt die Gesundheits- und Pharmakomponente nun 41 nach 37 Prozent der Indexgewichtung ein. Wird das Schwergewicht Nestlé hinzuaddiert, beträgt der defensive Anteil im SMI 60 Prozent. Entsprechend könnte der SMI in risikofreudigen Phasen den stärker auf Technologie fokussierten US-Börsen oder dem breiter aufgestellten Swiss Performance Index (SPI) hinterherhinken.

