Börse - Die Schweizer Gewinner-Aktien seit dem Oktober-Börsensturz

Nicht alle Schweizer Aktien haben in den Korrekturmodus gewechselt. Im Gegenteil: Einige zeigen sich auffällig robust. Das zeigt eine Auswertung des Schweizer Aktienmarktes seit dem Oktober-Mini-Crash.
26.11.2018 23:00
Von Ivo Ruch und Marc Forster
Swisscom-Businesspark an der Pfingstweidstrasse in Zürich: Die Aktie des Telekomkonzerns hat wieder Potenzial.
Swisscom-Businesspark an der Pfingstweidstrasse in Zürich: Die Aktie des Telekomkonzerns hat wieder Potenzial.
Bild: cash

Für Ceva-Aktionäre sieht die Welt plötzlich wieder rosig aus. Nach einem enttäuschenden Börsengang mit Kursrückschlägen von 26 auf 18 Franken zwischen Mai und Oktober sind ihre Titel nun 30 Franken wert. Mit einem Kursplus von 57 Prozent seit dem 3. Oktober ist Ceva Logistics gar die beste Schweizer Aktie in diesem Zeitraum. Dem Zeitpunkt also, als die Märkte zu korrigieren begannen.

Doch die Ceva-Kursgewinne sind nicht etwa auf operative Verbesserungen zurückzuführen. Verantwortlich dafür ist einzig das Übernahmeangebot des französischen Ceva-Hauptaktionärs CMA CGM – er bietet 30 Franken pro Aktie. Ceva eignet sich somit nur bedingt als Beispiel für eine krisenfeste Schweizer Aktie, obwohl kein anderer Titel den Börsensturm besser überstanden hat, der seit Anfang Oktober für Nervosität sorgt (siehe Tabelle weiter unten).

Andere Aktien haben sich hingegen viel eher als zuverlässige Anker für das Anlegerportfolio bewiesen. Der volatile "Penny Stock" des Hedgefonds-Anbieters LumX ausgeklammert, sind es vornehmlich Firmen mit schwankungsresistentem Geschäftsmodell, die in den letzten Wochen für Performance gesorgt haben.

Telekom, Energie und Nahrungsmittel

Da ist zum Beispiel die Swisscom-Aktie. Lange Zeit hinter den Erwartungen und dem Marktdurchschnitt zurückgeblieben, scheint der Telekomkonzern seinen Ruf als defensive Aktie wieder zurückzuerlangen. Dazu trägt nicht nur die attraktive Dividendenrendite von 4,7 Prozent bei. Auch die implizite Staatsgarantie und der grosse Anteil des Schweizer Geschäfts wirken in diesen unsicheren Zeiten vertrauensfördernd. Trotz zunehmender Konkurrenz durch Salt und Sunrise gilt Swisscom beim aufkommenden Mobilfunknetz 5G als führend.

Blickt man auf den Aktienkurs, scheint auch hier noch Potenzial vorhanden. Der Titel steht per Jahresanfang 9 Prozent im Minus, verglichen mit dem Allzeithoch im November 2014 (588 Franken) ist es aktuell gar ein Minus von 20 Prozent.

Die Swisscom-Aktie in den letzten zehn Jahren (Quelle: cash.ch)

Ein ähnlicher Fall ist Mobilezone. Das Geschäft mit Smartphones und Handyabos gilt als relativ unabhängig von der konjunkturellen Lage – Mobilezone hat seit Anfang Oktober an der Börse rund 4 Prozent dazugewonnen. Gerüchte, wonach der Telekom-Spezialist die Dividende kürzen könnte, dementierte CEO Markus Bernhard kürzlich im Interview mit cash.ch. Wie Swisscom wurde auch Mobilezone in den letzten Jahren zugunsten dynamischer Titel vernachlässigt. Nun scheinen sie ein Comeback zu feiern.

Schon länger beliebt ist der Stromproduzent BKW. Als defensiv gilt BKW aufgrund des Stromverteilungsgeschäfts im Kanton Bern mit mehr als einer Million Kunden. Zudem profitiert der Konzern laut Experten von den steigenden Strompreisen in Europa. Der Aktienbroker Helvea traut BKW einen Anstieg auf 90 Franken zu. Vom jetzigen Aktienkurs aus ist das ein Potenzial von 36 Prozent. Übrigens: Auch der Solarstrom-Hersteller Edisun Power hat einen guten Lauf: 3 Prozent seit dem 2. Oktober, 60 Prozent seit Anfang Jahr.

Neben Telekom und Energie gehören auch die Nahrungsmittel zu den Gütern des täglichen Bedarfs, die auch gefragt sind, wenn sich die Konjunktur eintrübt. Diesbezüglich weltgrösster Player ist Nestlé. Kein Wunder, nähert sich die Nestlé-Aktie nach einem Zwischentief im letzten Frühling allmählich wieder ihrem Höchststand bei 86 Franken. Aufgerappelt hat sich auch der Fleischverarbeiter Bell, der nach einem mehrjährigen Zwischentief im Juli wieder Aufwärtstendenz zeigt.

Auch Bankaktien können robust sein

Nicht fehlen dürfen natürlich auch die Schwergewichte Novartis und Roche aus dem defensiven Pharmageschäft. Sie haben sich in den letzten unruhigen Wochen etwa 4 Prozent verteuert. Ihre starke Gewichtung im Swiss Market Index (SMI) hat dazu beigetragen, dass sich der Leitindex im internationalen Vergleich gut gehalten hat. Im direkten Vergleich hat momentan Novartis die Nase vorn, unter anderem auch weil der neue CEO Vasant Narasimhan eindeutig dynamischer agiert als sein seit zehn Jahren amtierendes Gegenüber Severin Schwan bei Roche.

Mit Gurit zeigt ein Industrieunternehmen, dass derzeit nicht nur defensive Titel bei den Anlegern beliebt sind. Gurit stellt Spezialkunststoffe her und ist als Industriezulieferer stärker vom Lauf der Weltwirtschaft abhängig als Telekom-, Energie- oder Pharmafirmen. Dennoch hat der Titel im Herbst gut gehalten, mit einem Plus von mehr als 7 Prozent. Zurückzuführen ist der jüngste Kursanstieg allerdings mehrheitlich auf einen positiven Analystenkommentar. Gurit ist stark abhängig von der subventionierten Windenergie und bleibt als Engagement somit risikoreich.

Als Überraschung kann auch das starke Abschneiden kleinerer Finanztitel bezeichnet werden. Mit Walliser Kantonalbank, Liechtensteinische Landesbank (LLB) und Waadtländer Kantonalbank gehören drei Regionalbanken zu den zehn besten Performern seit Anfang Oktober. Die LLB ist gar die beste Bankaktie der Schweizer Börse in diesem Jahr (cash berichtete). Kursstützend wirken hier die Fokussierung auf den Binnenmarkt Schweiz samt wichtigem Hypothekar- und Firmenkundengeschäft sowie das tiefe Kosten-Ertrags-Verhältnis – gerade im Vergleich mit den globalen tätigen Grossbanken.

10 Aktien mit höchster Kurssteigerung seit  2. Oktober 

Aktie Kursentwicklung Aktie Kursentwicklung
Ceva Logistics  +56,6 Prozent Swisscom +7,4 Prozent
LumX Group +28,3 Prozent BKW +6,8 Prozent
Orascom +14,1 Prozent Liecht. Landesbank (LLB) +4,5 Prozent
Walliser KB +10 Prozent Waadtl. KB (BCV) +4,4 Prozent
Gurit +7,5 Prozent Swiss Life +4,2 Prozent

Daten: Bloomberg / Stand: 26.11.18, 13.00 Uhr

Eine Aktie, für die es hingegen – nach unten – kaum ein Halten gibt, ist AMS. Allerdings führte der Oktobersturz nur weiter, was der Aktie bereits seit vergangenem März widerfahren ist. Vom Rekordhoch bei 121 Franken ausgehend ist der Kurs vor wenigen Tagen bei 24 Franken angekommen. Apple hat zuletzt weniger von gewissen Geräten verkauft, in denen AMS-Sensoren verbaut sind. Dies führt bei den zur Nervosität neigenden AMS-Anlegern schnell zu Verkäufen.

Auch U-Blox, Chipspezialist für das Internet der Dinge, hat den Kursverfall bei einer ganzen Branche gespürt: Der Kurs liegt knapp 40 Prozent unter dem Wert von Anfang Oktober. Der Sensorhersteller Sensirion, erst seit März an der Börse, ist seit Anfang Oktober beim Kurs um 35 Prozent zurückgegangen und handelt im Moment nach den jüngsten Kursrückgängen tiefer als beim Börsenstart.

Die drei Schweizer Tech-Titel kann man zwar kaufen, wenn man an ihre Wachstumspläne glaubt. Es gibt genug Anleger und auch einige Analysten, die so denken. Aber solange die Branchenschwergewichte, die FAANG-Aktien in den USA, an der Börse abgestraft werden, ist auch bei den Schweizer Zulieferern nicht viel zu holen. Bei AMS wirken sich die Probleme des Grosskunden Apple sogar ziemlich direkt auf den Kurs aus.

10 Aktien mit schwächster Entwicklung seit 2. Oktober

Aktie Kursentwicklung Aktie Kursentwicklung
AMS -49,5 Prozent Polyphor -32 Prozent
Blackstone Res. -44,1 Prozent Tornos -31,4 Prozent
Aryzta -40,3 Prozent Kardex -30,6 Prozent
U-Blox -39,7 Prozent Airopack -29,8 Prozent
Sensirion -34,7 Prozent Swissquote -29,3 Prozent

Daten: Bloomberg / Stand: 26.11.18, 13.00 Uhr

Problematisch sind auch Engagements bei den sehr volatilen Unternehmen Blackstone Resources, Polyphor und Airopack: Alles Kleinunternehmen, die ihren Geschäftserfolg erst noch unter Beweis stellen müssen. Tornos, vor einem Jahr noch Shootingstar der Schweizer Börse, hat seit April 60 Prozent verloren und wird weiter von eingetrübten Wachstumsaussichten gebremst.

Nur auf den ersten Blick wenig überraschend ist der Kursrückgang beim Sanierungsfall Aryzta: Nachdem die irisch-schweizerische Nahrungsmittelgruppe für Tiefkühlbackwaren aber Anfang November eine Kapitalerhöhung durchgebracht hat, reagierten die Analysten der Zürcher Kantonalbank und der Bank Vontobel mit Ratingerhöhungen. Ein Engagement bei diesem massiv und lange zu recht abgestraften Krisenunternehmen ist inzwischen aber nicht mehr so absurd, wie man denken könnte: Aryzta-CEO Kevin Toland fährt einen Turnaroundkurs und könnte den Brötchenkonzern bald aus dem Gröbsten herausmanövrieren.