Finanzbranche - Kantonalbank-Aktien geraten ins Straucheln

Das tiefe Zinsumfeld lässt die Margen von Kantonalbanken schrumpfen. Das drückt auf den Aktienkurs vieler Institute. Trotzdem gibt es für Anleger Gründe, Titel eines Staatsinstitutes im Portfolio zu halten.
29.09.2019 20:39
Von Pascal Züger
Hauptsitz der Graubündner Kantonalbank in Chur.
Hauptsitz der Graubündner Kantonalbank in Chur.
Bild: ZVG

Bankaktien haben über die letzten Monate enttäuscht. Der SPI-Bankenindex weist auf 52-Wochen-Sicht eine Performance von minus 16 Prozent auf. Der Swiss Performance Index (SPI) hat im gleichen Zeitraum 13 Prozent zugelegt.

Runtergedrückt wurde die Performance des Bankenindex vor allem von Grossbankaktien, die UBS büsste etwa 27 Prozent ein. Die 13 börsenkotierten Kantonalbanken hingegen haben sich grosso modo etwas besser als der Branchenschnitt gehalten.

Wie die folgende Tabelle zeigt, haben über die letzten 52 Wochen mit der Berner, St. Galler, Basler und Luzerner KB zwar nur vier Kantonalbanken an der Börse negativ performt. Am besten haben die Walliser KB, die BC Vaudoise und die Graubündner KB abgeschnitten:

Titel Performance, 52 Wochen Dividendenrendite Börsenwert (in Mrd. CHF)
Walliser KB +7% 3,0% 1,8  
BC Vaudoise +6% 4,5% 6,6
Graubündner KB +5% 2,7% 3,7
Zuger KB +5% 3,6% 1,7
Glarner KB +4% 3,2% 0,4
Thurgauer KB +3% 2,6% 2,2
BC Jura +3% 3,3% 0,2
BC Genève BCGE +2% 1,7% 1,4
Basellandschaftliche KB 0% 3,9% 1,9
Berner KB -1% 3,7% 2,0
St. Galler KB -11% 3,6% 2,6
Basler KB -12% 4,3% 2,9
Luzerner KB -16% 3,0% 3,5

Quellen: cash und ZKB

Die Staatsinstitute überzeugen allerdings nur im brancheninternen Vergleich. Mit dem Gesamtmarkt können  sie nicht mithalten. Das war in den letzten Jahren anders, viele KB-Aktien schnitten überdurchschnittlich ab. Der "Cut" kam bei vielen Instituten dann im Frühjahr 2018. Die Aktie der St. Galler Kantonalbank zum Beispiel hat seit März 2018 gegen 20 Prozent verloren.

Der Rückschlag  hat mit den Schwierigkeiten mit dem Zinsdifferenzgeschäft zu tun, was auf die Marge der Banken drückt. Das Zinsdifferenzgeschäft ist die traditionell grösste Einnahmequelle der Kantonalbanken.

Besserung ist vorläufig nicht in Sicht. "Die angespannte Zinssituation macht die Aufgabe für Kantonalbanken weiterhin schwierig", sagt Andreas Venditti, Bankenanalyst von Vontobel, auf cash-Anfrage. Der Kernbereich Zinsgeschäft werde weiter unter Druck bleiben.

Defensiver Charakter

Also Finger weg von Kantonalbank-Aktien? Nicht unbedingt. In der Vergangenheit haben sich gemäss Venditti Kantonalbank-Aktien durch ihren defensiven Charakter als relativ robust in Krisenzeiten erwiesen, während Grossbanken deutlicher an Wert einbüssten. "Wer also von einem negativen Marktszenario ausgeht, kann auf Kantonalbanken setzen", so der Analyst.

Die Krisenresistenz von Kantonalbanken lässt sich damit erklären, dass sie meist nur in der Schweiz tätig sind und sich operativ nicht auf allzu riskante Experimente einlassen. Hinzu kommen in vielen Fällen eine attraktive Dividendenpolitik sowie eine Staatsgarantie.

Damit eine Kantonalbank-Aktie im aktuellen Umfeld für Anleger aber interessant ist, muss sie sich von ihren Branchenkollegen positiv abheben. Sei es durch ein lukratives Kommissionsgeschäft, ein überdurchschnittliches Kreditwachstum oder eine besonders starke Eigenkapitalrendite. Folgende drei Kantonalbanken stechen heraus:

BC Vaudoise – Dividende als Hauptargument

Mit einem Börsenwert von 6,6 Milliarden Franken ist die BCV die grösste kotierte Kantonalbank, zudem gehört die Aktie mit plus 6 Prozent in den letzten 12 Monaten zu den besten Performern der Branche. Die Waadtländer überzeugen mit einer überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalrendite und mit einer attraktiven Dividendenpolitik. Derzeit beträgt die Rendite 4,5 Prozent - seit Jahren Spitzenwert unter den Kantonalbanken.

Gemäss Analyst Venditti wird die Strategie der hohen Ausschüttung auch in Zukunft beibehalten. Allerdings ist die Ausschüttungsquote mit 88 Prozent jetzt schon am oberen Limit angelangt, zudem ist die Aktie nicht mehr günstig zu haben. Das heisst: Kursmässig ist nicht mehr viel Luft drin. 

Glarner KB – Wachstum dank innovativem Ansatz

Die Glarner gelten im digitalen Bereich als Vorreiter. Doch vergangene Woche wurde bekannt, dass das automatisierte Anlageprogramm "Investomat" wegen zu wenig Nachfrage eingestellt werden muss. Für ZKB-Analyst Javier Lodeiro, der die  Aktie zum Kauf  empfiehlt, kein Grund zur Sorge. Er wertet es sogar als positiv, dass sich die Kantonalbank stattdessen auf die Dinge fokussiert, die rentabel sind. "Das Wachstumspotenzial orten wir klar in der Kreditfabrik und in der Lizenzierung ihrer Software", schreibt Lodeiro.

Die Glarner KB besitzt über die kommenden Jahre ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial, zudem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2019 von 15 günstig bewertet. Als Zückerchen ist eine Dividendenrendite von 3,2 Prozent veranschlagt.

Graubündner KB – Starkes Kommissionsgeschäft

Die Graubündner Kantonalbank (GKB) verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rekordgewinn von über 100 Millionen Franken. Das hat auch mit der im Vorjahr gekauften 51-Prozent-Beteiligung am Vermögensverwalter Albin Kistler zu tun. Zusammen mit einer Beteiligung an der Privatbank Bellerive ist die GKB nun in der Vermögensverwaltung stark und dadurch weniger vom umkämpften Hypothekengeschäft abhängig. Fast 85 Prozent der Aktien sind in Kantonsbesitz. Das erschwert zwar den Handel, verleiht aber in Krisenzeiten auch eine gewisse Stabilität.

 

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BC Vaudoise N

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13.12.2019

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